Bielefeld ist eine quirlige Metropole. Hier gibt es immer etwas Neues zu entdecken. Wir haben uns umgeschaut und zeigen auf den nächsten Seiten, was alles so geht.

Foto: Annabelle Mayntz und Klaus Rees

KISTENSOMMER
Hier blüht euch was

Dieses besondere Projekt der Vereinskooperation „73a“ wird als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt im Rahmen des Sonderwettbewerbs „Soziale Natur – Natur für alle“ ausgezeichnet. Beim „Kistensommer“ mischt sich Insektenschutz mit Ressourcenschonung. Es werden Holzkisten von Unterstützern des Café Welcome aus recyceltem Holz gebaut, ART at WORK sorgt für die Bepflanzung mit Insektenfutter und die Gestaltung der Kisten und der FBB/Fahrräder bewegen Bielefeld, fährt die Kisten per Lastenrad zu den Paten. Das sind Geschäfte, Institutionen und Privatpersonen in der Bielefelder Innenstadt, die die Kisten den Sommer über im öffentlichen Raum pflegen und für Aufmerksamkeit zum Thema Insektensterben werben. Pate werden: Für eine Spende von 30€ wird der ausgezeichnete Kistensommer klimatneutral zu den Paten gebracht und im Oktober wieder abgeholt.

Mehr Infos unter info@art-at-work.org

CITYARTISTS

Wenn es in Bielefeld einen Fotografen gibt, der den Blick auf seine Heimatstadt ganz entschieden geprägt hat, dann Veit Mette. Ob seine mit hintersinnigem Humor und per fektem Timing eingefangenen Fotografien von Menschen und Stadtansichten oder ganz aktuell seine Serie „World Out / Off Frame“. Deshalb hätte die Nominierung als CityARTist keinen Besseren treffen können. Unter diesem Titel hat das NRW KULTURsekretariat Wuppertal gemeinsam mit seinen Mitgliedsstädten zehn Preise für Bildende Künstler*innen ab 50 Jahren in der Gesamthöhe von bis zu 50.000 Euro ausgeschrieben. Jede Mitgliedsstadt kann eine Künstlerin/einen Künstler in den Wettbewerb schicken. Unter der Federführung des Kulturamts hat eine Fachjury Veit Mette als Kandidaten für Bielefeld nominiert. Die Begründung: „Mettes Fotografien verhandeln Themen der Öffentlichkeit und des sozialen Lebens ebenso wie die technischen und ästhetischen Möglichkeiten der digitalen Fotografie jenseits softwaregestützter Manipulation. Insbesondere der letztgenannte Punkt stellt Veit Mettes bemerkenswerten Willen zur künstlerischen Weiterentwicklung unter Beweis, denn der Künstler ist eigentlich für eine analoge schwarz/weiß-Fotografie im dokumentarischen Stil bekannt.“

Foto: Michael Heicks, Ilona Hannemann, Martin Beyer

Alles kam anders

Im März noch unter völlig anderen Vorzeichen verkündet, hat sich das Motto der Spielzeit 2020/21 als ungewollt prophetisch erwiesen. „Alles könnte anders sein – so ist es leider auch geworden, allerdings anders als gedacht“, sagt Michael Heicks. Für die Städtischen Bühnen bedeutete das in den letzten Monaten: Alles noch einmal neu denken. „Aber wir waren erstaunt, wie viele Produktionen des ursprünglich geplanten Spielplans wir machen können und, dass man ihnen die Corona-Veränderungen nicht ansehen wird“, freut sich der Intendant. Und so beginnt am 30.8. die Spielzeit mit insgesamt 22 statt 30 Premieren. Nur wenige Stücke, insbesondere mit großer Orchesterbesetzung, wurden ausgetauscht. Statt des „Sommernachtstraums“ wird etwa Händels „Tamerlano“ erklingen. Deutlich sichtbar dagegen: der Gesundheitsschutz. Jede zweite Reihe und jeweils ein Platz zwischen nicht zusammengehörenden ZuschauerInnen bleibt frei. Das gilt auch für die Rudolf-Oetker-Halle, wo die Bielefelder Philharmoniker ebenfalls vor einer ungewohnten Saison stehen. „Wir treten normalerweise im großen Kollektiv auf“, so Martin Beyer. „Jetzt setzen wir bei den ersten drei Symphoniekonzerten auf eine kleine Orchesterbesetzung und stellen unsere eigenen Solisten in den Vordergrund.“ Die weitere Planung ist noch offen, um spontan reagieren zu können. Eine Besonderheit, auf die sich der Orchesterdirektor schon sehr freut, steht aber bereits fest. „Mit dem Jazzmusiker Magnus Lindgren haben wir erstmals einen Artist in Residence, der eine ganz andere Klangfarbe mitbringt.“ (S. G.)

GUT ZU HÖREN!

Der neue „Soundz of the City Sampler 2020“ der Bielefelder Musikkooperative Auftakt e.V. ist da! Und gibt einen kompakten Überblick über die lokale Popkultur. Das musikalische Spektrum der 18 Bands und Künstler*innen aus Bielefeld reicht von Metal, Rock, Indie-Pop bis Hip Hop. „Die Gruppen aus ganz unterschiedlichen Genres sollen auf diesem Wege mehr Aufmerksamkeit bekommen. Deshalb haben wir den Sampler stets an Veranstalter der Region geschickt und einige Bands in lokale Konzertreihen eingebunden. Das ist auch 2020 der Fall, auch wenn es um Auftrittsmöglichkeiten aufgrund der Corona Pandemie aktuell schwierig bestellt ist“, so Tom Kummerfeldt, von der Agentur Newtone, die ebenso an der Erstellung des Silberlings beteiligt ist wie das Kulturamt. Erstmals ist der „Soundz of the City“-Sampler auch als MP3-Download zu erwerben oder bei bekannten Streaming-Diensten wie Spotify zu hören. www.newtone.de

Spätes Babyglück
Mütter in Bielefeld immer älter

In Bielefeld ist das Durchschnittsalter der Mütter bei der Geburt eines Kindes auf 31,4 Jahre (2019) gestiegen, 2009 lag es noch bei 30,2 Jahre. 1256 der insgesamt 3517 Bielefelder Babys in 2019 haben eine Mutter zwischen 30 und 34 Jahren. Bei 705 Neugeborenen lag das Alter der Mütter zwischen 35 und 39 Jahren und bei 187 Babys war die Mutter bei der Geburt 40 Jahre oder älter. „Damit haben fast zwei Drittel der Babys in Bielefeld eine Mutter, die bereits 30 oder älter ist“, so Stefanie Weier von der Krankenkasse IKK classic. „Gegen ein spätes Mutterglück spricht natürlich grundsätzlich nichts, allerdings steigt statistisch gesehen das Komplikationsrisiko bei Spätgebärenden.“ Zu den häufigsten schwangerschaftsbegleitenden Erkrankungen zählt eine Schwangerschaftsdiabetes. Unbehandelt kann sie ernsthafte Folgen für die Gesundheit von Mutter und Kind haben. „Darum ist es wichtig, dass Schwangere alle von den Krankenkassen angebotenen Früherkennungsuntersuchungen wahrnehmen, zu denen auch ein Test auf Schwangerschaftsdiabetes gehört. So können Krankheiten und Komplikationen schnell erkannt und behandelt werden“, betont Weier.

Die große Illusion

BIELEFELDER KINOGESCHICHTE(N)
AUS 125 JAHREN

Bielefeld hat an der frühen Geschichte des Films einen nicht unerheblichen Anteil. Der berühmte Stummfilmregisseur Friedrich Wilhelm Murnau wird hier 1888 geboren und ein Jahr später Joseph Massolle, der mit zwei Freunden das weltweit erste serienreife Lichtton-Verfahren für Film (Tri-Ergon) entwickelt. Die Jahrmarktsattraktion Film mauserte sich rasch zu einer Kunstform, die in den neuen Lichtspielhäusern ihre Tempel fand. Dramaturgische Weiterentwicklungen und technische Neuerungen wie Tonfilm, Farbfilm und 3D lockten die Zuschauer immer wieder neu in die Filmtheater. Vielfach totgesagt, stand das Kino immer wieder auf – bis heute. Bielefeld wurde vor allem in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer Kinohochburg in Westdeutschland. Die Bielefelder waren filmverrückt, wie die zahlreichen Premieren mit Stars wie Gary Cooper, Eddie Constantine, Hans Albers oder Romy Schneider beweisen. Die meisten dieser Lichtspieltheater sind verschwunden, aber die Ausstellung ruft sie wieder in Erinnerung. Gemeinsam gehen die Stiftung Tri-Ergon Filmwerk und das Historische Museum der Faszination des Kinos von den Anfängen bis heute auf den Grund. Das weit gefächerte Begleitprogramm umfasst eine Filmreihe, Vorträge sowie Workshops für Kinder und Jugendliche.

Historisches Museum, 6. September 2020
bis 25. April 2021
www.historisches-museum-bielefeld.de
www.diegrosseillusion.de
www.tri-ergon-filmwerk.de

Mehr als 110 Exponate wurden bisher auf Basis der Skizzen Leonardo da Vincis von Studierenden entwickelt und konstruiert.

DA VINCI 500

Auf Basis der unzähligen Skizzen Leonardo da Vincis entwickeln, konstruieren und bauen Studierende des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften und Mathematik der Fachhochschule (FH) Bielefeld seit mehr als anderthalb Jahrzehnten faszinierende Modelle für die Ausstellung „DA VINCI 500 – Bewegende Erfindungen“. Mehr als 110 Exponate wurden nun von der Koordinierungsstelle für wissenschaftliche Universitätssammlungen in Deutschland mit Sitz an der Humboldt Universität zu Berlin offiziell in den Katalog der wissenschaftlichen Sammlungen aufgenommen. Um die Exponate auch virtuell zugänglich zu machen, ist die Digitalisierung ein zentrales Anliegen der Plattform „Wissenschaftliche Sammlungen“. Dies unterstützt das Team von DA VINCI 500: „Bewegende Erfindungen“ enthält bereits heute erste virtuelle Modelle. Diese können dann per „Virtual Reality“ oder „Augmented Reality“ entdeckt und erfahren werden.


www.fh-bielefeld.de/davinci500 und https://portal.wissenschaftlichesammlungen.de

UMSONST & DRAUSSEN: EINFACH MITMACHEN

Bielefeld ist sportlich. Gerade in den vergangenen Wochen haben viele Menschen ihr Herz für die Natur und für sportliche Aktivitäten entdeckt. Vielleicht auch, um den Corona-Pfunden gezielt entgegenzuwirken. Der Stadtsportbund Bielefeld hat in Kooperation mit elf Sportvereinen ein tolles Konzept entwickelt, um den BielefelderInnen im besten Sinne Beine zu machen. Sport: umsonst und draußen. Ohne Anmeldung. Die Parks und Grünflächen der Stadt werden zur Open-Air-Turnhalle. Mit 15 verschiedenen kostenlosen Sportangeboten über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Und das bei (fast) jedem Wetter, es sei denn Sturm, Hagel, Gewitter oder Starkregen gefährden die Sicherheit der Sportbegeisterten. Und so stehen beispielsweise montags Pilates am Meierteich, dienstags Zumba-Fitness im Bürgerpark Ummeln, mittwochs Tai Chi Chuan im Nordpark, donnerstags 4 Jahreszeiten-Qi Gong im Stieghorst Park und freitags Familien-Fitness in Jöllenbeck auf dem Programm. Von Aikido über ganzheitliche Fitness, Power-Workout und Rückentraining bis Zumba – Sport im Park bietet eine großartige Gelegenheit, neue Sportarten kennenzulernen und das inmitten der freien Natur. Am 29.8. gibt’s noch ein Sunrise Special. Von 6 bis 7 Uhr in der Früh ist im Botanischen Garten Qi Gong angesagt. Anfänger sowie Fortgeschrittene sind bei allen Angeboten, die bis zum 30.8. durchgeführt werden, gleichermaßen willkommen. Also: Sportmatte schnappen und loslegen.
www.ssb-bielefeld.de

Haben den Kulturverein über viele Jahre geprägt: Hicran Conker und Leida Schievink

Letzte Spielzeit

Kulturverein Bielefeld
Er war eine echte Institution. Hat ausgezeichnete KünstlerInnen wie Hazel Brugger, Sebastian Pufpaff, Sven Ratzke oder das Duo Suchtpotenzial früh für Bielefeld entdeckt. Er hat die Menschen mit Auftritten von Maybebop und anderen Ensembles für A-cappella begeistert und mit hochkarätigen Kabarettisten wie Wilfried Schmickler unterhalten. Jetzt stellt der Kulturverein Bielefeld e. V. nach 12 Jahren seine Arbeit ein. Es wird keine weitere Spielzeit geben. Damit endet eine Ära im Bielefelder Kulturbetrieb, die vor allem von Begeisterung und ehrenamtlichem Engagement geprägt war. Grund für diese traurige Nachricht: Die Vorsitzende Hicran Conker, die sich seit 2009 in unterschiedlichen Funktionen für den Verein engagiert, musste ihr Ehrenamt aus persönlichen Gründen leider aufgeben. Trotz intensiver Suche konnte keine Nachfolge gefunden werden. Wer sich einmal mit der begeisterten Kulturfrau über ihr Leib- und Magenthema unterhalten hat, weiß, wie schwer ihr dieser Schritt gefallen sein muss. Ins Leben gerufen wurde der Kulturverein übrigens 2008 von Leida Schievink und Jutta Kokel. Gemeinsam mit Brigitte Gregor führten sie das Angebot des bereits 1950 gegründeten Jugendkulturrings fort. Jetzt ist der letzte Vorhang gefallen.

Win-win-Situation. Davon ist oft die Rede, doch in diesem Fall stimmt’s. Die BielefelderInnen profi tieren von sechs Wochen Open-Air-Programm mit Konzerten, Puppentheater, Poetry Slams, Tanz, Theater und mehr. Und die KünstlerInnen vor Ort können endlich wieder auftreten. All das im Rahmen der Ferienkampagne „#Bielefeldsommer“ mit zwei Pop-up-Bühnen an der Sparrenburg und im Ravensberger Park.

#BIELEFELDSOMMER

Beide Orte werden während der Sommerferien zu Open-Air-Spielstätten, an denen auch unter den Schutzmaßnahmen rund um Corona sicher Kultur erlebt werden kann. „Es gibt auch gute Nachrichten. Wir inszenieren die Stadt und wollen einen Gegenpol setzen“, freut sich Martin Knabenreich, Geschäftsführer von Bielefeld Marketing. Diese hat das Programm für den „Burgsommer“ und den „Parksommer“ gemeinsam mit dem Kulturamt auf die Beine gestellt. „Wir haben die Synergien genutzt und es ist beachtlich, in wie kurzer Zeit wir ein komplettes Sommerprogramm umgestrickt haben“, sagt Kulturamtsleiterin Brigitte Brand. Schließlich ist vieles, was sonst den Sommer bereichert, von großen Festivals bis zum Wackelpeter, in diesem Jahr nicht möglich. „Deshalb freuen wir uns sehr, dass wir gemeinsam den Menschen in Bielefeld nach einer langen kulturellen Durststrecke wieder kleine, ausgesuchte Open-Air-Erlebnisse ermöglichen können“, unterstreicht auch Martin Uekmann, Geschäftsführer des Sponsors Stadtwerke Bielefeld Gruppe. Auf der großen Wiese hinter der Sparrenburg gibt es an bis zu fünf Abenden pro Woche Programm für bis zu 150 BesucherInnen. Mehr als 30 Termine stehen schon fest, weitere können hinzukommen. Auf dem Plan stehen u. a. Konzerte in der Abendstimmung – mit Singer-Songwritern wie Ian Tray
(11.7.) und White Coffee (24.7.). Außerdem gibt’s Lesungen, Poetry Slams (10. und 30.7.) sowie Gin- und Bier-Tastings. Für Wissensdurstige präsentiert die WissensWerkStadt Bielefeld drei Abende: ein „Best of FameLab Germany“ (9.7.), eine Science-Show für Kinder (23.7.) sowie eine Folge der beliebten Impro-Wissenschafts-Show „Brainstorm“ (8.8.). Hinzu kommen regelmäßige Termine für Outdoor-Sport und Burg-Yoga sowie ein kostenloses Kinderprogramm an drei Wochenend-Terminen (5.7., 17.7. und 2.8.).


Im Rahmen des „Parksommers“ werden ganz bewusst vorwiegend Bielefelder und regionale KulturakteurInnen unterschiedlicher Sparten eingebunden. „Dass die Live-Kultur in den letzten Monaten zum Erliegen gekommen ist“, so Brigitte Brand, „war eine schwierige, existenzbedrohende Situation für Kulturakteure.“ Die können jetzt ebenso aufatmen wie alle Kulturfreunde. Den „Parksommer“ bestreiten unter anderem Oona Kastner (2.7.), das Kozma Orkestar (3.7.), Muharrem & Azize Karakuzu zusammen mit Erdem Beyazgül (4.7.), Loos//Jakob (10.7.) und das Feedback Kollektiv (11.7.). Auf die kleinen Kulturinteressierten wartet ein spannendes und abwechslungsreiches Kinderprogramm.

Karten gibt es ausschließlich im Online-Vorverkauf. Auch für die kostenlosen Angebote ist eine Online-Anmeldung notwendig, damit vor Ort nicht mehr Menschen erscheinen als unter den Corona-Regeln teilnehmen können.


www.bielefeld.jetzt
Die einzelnen Programme in der Übersicht unter:
www.bielefeld.jetzt/burgsommer &
www.kulturamt-bielefeld.de