Taiko – Japanisches Trommeln

Die vorherrschenden Farben: Schwarz und Rot. Der Klang: ein sattes, tiefes Donnergrollen. Der Rhythmus: komplex und dabei perfekt synchron. Die Trommeln selbst machen ihrem Namen alle Ehre, denn „ Taiko“ bedeutet auf Japanisch wörtlich „ dicke Trommel“ . Der Begriff bezeichnet aber auch das Ensemble von Taiko-Trommlern und ihre Darbietung. Und die ist an diesem Donnerstagabend beeindruckend professionell.

Zum „Ausprobieren“ bin ich nämlich bei den Fortgeschrittenen gelandet. Bei der Profitruppe, die mit rund zehn Auftritten im Jahr begeistert. In Bielefeld etwa regelmäßig im Japanischen Garten, beim Carnival der Kulturen und beim japanischen Neujahrsfest.

Damit ich aber nicht nur als Zuschauerin dabei bin, fängt Trainer Andreas Fichtner mit einem leichten Aufwärmprogramm an. Drückt mir die Trommelstöcke – sie heißen Bachis – in die Hand und rät mir, nicht angestrengt auf die Trommel zu schauen. Die ist schließlich groß genug, um nicht danebenzutreffen.

Dann gibt der Trainer den ersten Rhythmus vor und die Gruppe folgt ihm. Schnell wird mir warm und ich spüre, wie sehr die Oberarme beansprucht werden. Noch komme ich mit und freue mich über den Einklang mit den anderen Trommelnden. Dann steigert sich der Schwierigkeitsgrad: Die Gruppe wird aufgeteilt, zwei verschiedene Rhythmen und wechselnde Lautstärken ergänzen sich. Klappt auch noch, obwohl ich hier eindeutig die Einzige bin, die angestrengt mitzählt, um nicht aus dem Takt zu kommen. Kein Wunder, viele aus der Gruppe sind schon seit Jahren dabei. Und was bei den Fortgeschrittenen so leicht aussieht, erfordert viel Übung. „Es dauert ein halbes Jahr, bis ein Stück richtig drin ist“, so Andreas Fichtner.

Spätestens bei der nächsten Steigerung bin ich raus. Habe einen Knoten im Hirn und in den Händen und verstehe, was der Trainer mir über seine Faszination für das japanische Trommeln gesagt hat: „Taiko ist Meditation für Körper, Geist und Seele und zugleich wie ein Kampfsport.“ Tatsächlich erfordern die komplexen Rhythmen so viel Konzentration, dass die Gedanken gar nicht abschweifen können.

Ich schlüpfe jetzt lieber in die Rolle der Zuschauerin und Zuhörerin, um die Gruppe beim Training nicht weiter aufzuhalten. Die komplexe Choreografie, die Augen- und Ohrenweide zugleich ist, begeistert mich. Es ist ein ästhetisches Vergnügen zu erleben, wie die Trommelnden zu einer einzigen kraftvollen Einheit verschmelzen. Ist die jahrtausendealte japanische Tradition jetzt Musizieren, Tanzen oder Kampfsport? Eindeutige Antwort: alles zusammen.
TIPP : Im Rahmen des Neujahrsfestes der Deutsch-Japanischen Gesellschaft, dessen Mitglied Matsu Dojo
Taiko ist, tritt die Profigruppe am 7.2. in der VHS auf.

ANDREAS FICHTNER …

ist über einen Umweg zum japanischen Trommeln gekommen. „Ich habe früher Kung Fu gemacht und war dann Teamkapitän beim Drachenbootfahren, wo ein Trommler den Takt vorgibt“, so der 6 1 -Jährige. Als die Mannschaft sich auflöste, kaufte er spontan eine Trommel. Nach seiner Trainerausbildung bei Kibo Daiko im sauerländischen Menden eröffnete er seine eigene Schule Matsu Dojo Taiko in Halle. Weil die Räumlichkeiten zu klein waren, zog er 2020 nach Ummeln an den Fichtenweg 1 3 . Aktuell unterrichtet Andreas Fichtner dort 5 3 Schülerinnen und Schüler zwischen 6 und 7 2 Jahren. Er bietet regelmäßig Kurse für Anfänger ( montags um 1 9 Uhr und dienstags um 1 8 Uhr) sowie Fortgeschrittene ( donnerstags um 1 9 Uhr) an, richtet aber auch Workshops oder Kindergeburtstage aus.
Infos: Interessierte können Andreas Fichtner per Telefon 0162 / 9023497 oder E-Mail fichte64@gmx.de erreichen. Facebook: Matsu Dojo Taiko