Good Wines Only

Wein, Stadtgeschichte und gutes Essen – diese Kombination macht die neue Weintour „Good Wines Only“ von Bielefeld Marketing aus. Sie hat uns zu besonderen Orten, ausgewählten Weinen und überraschenden Geschichten aus Bielefeld geführt.

Los geht es an einem sonnigen Freitagnachmittag im Innenhof der Sparrenburg. Zwischen dem Denkmal des Großen Kurfürsten und historischen Mauern stimmt Stadtführerin Janine Vetter uns auf die kommenden Stunden ein. Statt trockener Geschichtsstunde gibt es unterhaltsame Anekdoten. . So erfahren wir, dass Kaiser Wilhelm II. nicht nur als Monarch Geschichte schrieb, sondern Deutschland auch die bis heute erhobene Schaumweinsteuer bescherte. „Schon damals war Sekt ein sehr beliebtes Getränk“, erzählt Janine Vetter. Die einst für den Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals eingeführte Steuer spült bis heute pro Flasche Sekt unabhängig vom Verkaufspreis 1,02 Euro in die Kassen.

Ein paar Schritte vom Denkmal entfernt, führt Janine Vetter uns noch schnell ins ehemalige Turmverlies. Konstant 17 Grad herrschen hier. „Bis vor Kurzem nutzte die Gastronomie das Turmverlies auch genau dafür“, erklärt sie mit Blick auf die ideale Lagertemperatur für Wein. Den genießen wir im Anschluss: Das Restaurant Stadtblick serviert uns einen Bouvet Crémant de Loire Rosé Brut – begleitet von knuspriger Pinsa. Der feinperlige Crémant zeigt fruchtige Noten von Himbeeren und Preiselbeeren, dazu eine angenehme Frische. Ein perfekter Auftakt.

Auf dem Weg zur nächsten Station schweift unser Blick zum Johannisberg – und damit auch zu Bielefelds wohl einzigem Weinberg. Im Winzer’schen Garten wachsen rund 400 Rebstöcke der Sorten Vitis americana und Muscat Bleu.

Seinen Namen verdankt der Weinberg allerdings nicht dem Weinanbau, sondern Kaufmann Carl Wilhelm Winzer. Der Unternehmer machte in New York mit dem Textilhandel Geld, bevor die Familie nach Bielefeld zurückkehrte und ihre Villa am Johannisberg baute.

Auf dem Weg bergab Richtung Bethel-Eck stoppen wir kurz an der Musik- und Kunstschule – übrigens die größte Deutschlands – bevor es zur ehemaligen Kornbrennerei Dreesbeimdieke geht. Wo früher Korn gebrannt wurde, hat heute Messing Weine seinen Sitz. Mitgründer und Sommelier Raphael Schmidt arbeitet mit familiengeführten Weingütern zusammen und bewirtschaftet eigene Lagen, u.a. an der Mosel. Ins Glas kommt erst ein Blanc de Noir – ein Weißwein aus roten Trauben, der mit rosa Reflexen glänzt. Wie das funktioniert, erklärt er detailliert. Sein Wissen rund um Wein – speziell zum Riesling – vermittelt er entspannt locker. Was wir lernen: Die Nase ist das wichtigste Organ beim Weinverkosten. Besonders spannend: Erst durch den Kontakt mit Sauerstoff entfalten sich viele Aromen. Also: Weißwein im Glas schön schwenken. So genießen wir den anschließenden Riesling, Jahrgang 2023, aus Bernkastel-Kues. Und überhaupt: Riesling ist ein Aushängeschild des deutschen Weinbaus. Seiner feinen Säure sollten wir eine Chance geben.

Der letzte Halt führt in die Altstadt zu Wein etc. Zusammen mit einer Antipasti-Auswahl werden ein spanischer Verdejo aus der Region Rueda und später ein französischer Beaujolais verkostet. Während der Valdecuevas Verdejo von 2024 mit Frische und Frucht überzeugt, sorgt der Beaujolais für einen gelungenen Ausklang des Abends. Seine charakteristischen Aromen verdankt er der Rebsorte Gamay, die im 14. Jahrhundert aus dem Burgund verbannt wurde. Herzog Philipp der Kühne hielt sie für minderwertig – der Wein schmecke schrecklich bitter – und verbot ihren Anbau. Im benachbarten Beaujolais fand die Traube jedoch eine neue Heimat – zum Glück, wie sich beim letzten Glas des Abends zeigt.

Termine: www.bielefeld.jetzt.de