Aufs Rad umsatteln, Strom sparen, Blumenwiesen säen, Plastik vermeiden, Second-Hand- und Sharing-Produkte nutzen, keine Lebensmittel verschwenden – wirklich jede(r) kann etwas tun, um die Welt zu retten. Denn viele kleine Schritte sind der halbe Weg. Wir stellen Bielefelder vor, die schon mal losgegangen sind.

ENERGIE INTELLIGENT NUTZEN – ENERGIE IMPULS OWL E.V.

25 Haushalte in OWL sind Teil der Energiewende. Sie beteiligen sich an dem Projekt SynErgieOWL, das sie mit Strom aus abgeregelter erneuerbarer Energie versorgt. „Wir haben dafür unterschiedliche Akteure zusammengebracht, die an der Umsetzung eines intelligenten Energiesystems beteiligt sind“, erklärt Dipl.-Ing. Klaus Meyer vom Bielefelder Verein Energie Impuls OWL. Der hat das innovative wie praxisnahe Projekt angeschoben.

Foto: Klaus Meyer, Sven Brüske

Zu dem Innovationsnetzwerk, das mit insgesamt acht Mitarbeiter*innen seit 2001 am Standort Bielefeld arbeitet, gehören Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Die rund 120 Mitglieder aus unterschiedlichen Kompetenzfeldern arbeiten in dem Netzwerk für Zukunftsenergien zusammen, um Wandel und Innovation voranzutreiben. Dipl.-Ing. Klaus Meyer gründete den Verein vor 18 Jahren. „Damals lag der Anteil erneuerbarer Energien bei rund 6 Prozent, heute sind es etwa 42 Prozent im Stromsektor“, stellt der Gründer und Geschäftsführer des Vereins fest. Ging es früher vor allem darum, mehr Photovoltaik und Windkraft zu nutzen und Unternehmen auf der Suche nach Einsparpotenzialen zu begleiten, beschäftigt sich der Verein heute längst mit intelligenten Energiesystemen und der Frage, wie sich das Mehr an erneuerbaren Energien intelligent nutzen lässt. „Doch gestern wie heute entstehen unsere Projekte auf Themenfeldern im Energie- und Klimaschutzumfeld“, erklärt Sven Brüske, der SynErgieOWL als Projektmitarbeiter betreut. So gibt es heute statt weniger, großer Kraftwerke viele und auch kleine Energie- Erzeuger. Dazu zählen auch private Haushalte, die mittels Photovoltaikanlagen Strom erzeugen. Die dezentrale Struktur, die sich aus der Vielzahl an Erzeugern ergibt, bringt auch die Frage mit sich, wie sich die produzierte Energie effizient nutzen lässt. „Strom abrufbar zu machen, ist die Herausforderung“, betont Klaus Meyer. Dafür wären Energiespeicher notwendig, da Strom nie punkt- und bedarfsgerecht produziert wird.“ Doch noch gibt es keine ausreichende Speichertechnik. „Dafür braucht es ein intelligentes Energiesystem, das Erzeuger und Verbraucher miteinander vernetzt“, macht Sven Brüske deutlich. Ein Punkt, an dem SynErgieOWL ansetzt. Und zwar ganz praxisnah. Hinter den 25 Haushalten, die sich an dem Projekt beteiligen, stecken innovationsinteressierte Familien.

„Sie fanden unser Projekt spannend, das Strom aus abgeregelter erneuerbarer Energie durch ein börsenpreisoptimiertes, kostengünstiges Steuerungsverfahren für Wärmeanwendungen und E-Mobilität in Privathaushalten nutzbar macht“, so Klaus Meyer. An der Umsetzung beteiligt sind zehn Partner aus Heizungstechnik, E-Mobilität, Gebäudetechnik, aber auch Lieferanten von erneuerbaren Energien und Verteilnetzbetreiber.

24 Millionen Handys…

lagern ungenutzt in deutschen Schubladen. Darin enthalten sind 2,9 Tonnen Gold, 30 Tonnen Silber und 1.100 Tonnen Kupfer, die recycelt werden könnten.

„Teil unserer Arbeit ist es, diese Partner miteinander zu synchronisieren“, erklärt Sven Brüske. Nach zwei Jahren Vorlauf startete das vom Land geförderte Projekt vor einem Jahr. „Bis Mitte 2020 sammeln wir unsere Erfahrungen, entwickeln Softund Hardware wie Steuerungstechnologien, aber auch Geschäftsmodelle“, erklärt Klaus Meyer. Dafür müssen die beteiligten Haushalte mit unterschiedlichen Nutzerprofilen nicht nur ihre Nutzungsdaten offenlegen, sondern auch ihre Türen zum Heizungskeller öffnen. Denn dort sind Messgeräte verbaut. „Die Idee, die Heizungsanlagen anzusteuern, funktioniert“, freut sich der Ingenieur „Noch haben wir aber keine Zahlen, wie viel fossile Heizenergie verdrängt wird. Allerdings gibt es durch den Überschussstrom durchaus eine erkleckliche Menge, die wir ersetzen können. Heute sind es 5 TWh in zehn Jahren 100 TWh. In Zukunft wird das also richtig interessant.“
www.energie-impuls-owl.de

REPARIEREN STATT WEGWERFEN – REPAIR CAFÉ

Wenn der Toaster klemmt, der Fön nur noch kalte Luft produziert oder der Staubsauger gar keinen Ton mehr von sich gibt, ist Spürsinn gefragt. „Das ist ein Detektivspiel“, lacht Michael Schem. Und die Fehlersuche kann spannender sein als jeder Krimi.

Die Lösung im „Fall“ eines defekten Gerätes zu finden, lohnt sich. Denn Gebrauchsgegenstände möglichst lange zu nutzen, spart Rohstof fe und Energie und schont damit die Umwelt. Reparieren statt Wegwerfen: Das ist die Devise der Repair-Cafés. Seit die ersten Reparaturwerkstätten 2009 in den Niederlanden gegründet wurden, haben sich weltweit zahlreiche Nachahmer gefunden. Seit sechs Jahren zeigt auch Bielefeld der Wegwerf-Mentalität die rote Karte. In vier Stadtteilen finden regelmäßig Repair-Cafés statt. Ins Leben gerufen von der Nachhaltigkeitsinitiative Transition Town Bielefeld, deren Vorsitzender Michael Schem ist. Der Grund seines Engagements? „Wir sind etwas trotzig. Wenn jemand sagt, ein Gerät sei nicht zu reparieren, gucken wir gerne noch mal genauer hin.“ So wie neulich bei einem DVD-Player, der sich nicht mehr öffnen ließ. „Im Fachhandel hieß es, da sei nichts zu machen. Dabei reichte es, die Zierblende abzunehmen und neu aufzukleben. Der Besitzer war fassungslos“, erzählt Michael Schem. Manchmal sind die Fälle aber auch deutlich kniffliger. Besonders gut erinnert sich Ralf-Larissa Jürgens, die sich vor allem im organisatorischen Bereich der Repair-Cafés engagiert, an den Fall eines Handmixgeräts eines namhaften Herstellers. „Schon beim Öffnen waren wir mit unserem Latein am Ende.“ Doch mit Unterstützung anderer Besucher, Internetrecherche und „Mut zur Beschädigung“ klappte es doch. Und letztlich musste nur ein Kontakt neu gelötet werden.

„Die Besitzerin war begeistert, weil sie so viel über Elektrik gelernt hat. Überhaupt sind es für mich die schönsten Erlebnisse, wenn wir ein Gerät in Teamarbeit retten.“ Dass die BesucherInnen lernen können, wie Geräte funktionieren, warum sie kaputt gehen und wie sie repariert werden können, ist ein wichtiges Anliegen der Repair-Cafés. Niemand gibt hier defekte Gegenstände einfach ab. „Reskilling“ lautet das Stichwort. „Wir haben Spezialwerkzeug und einen Fundus an Ersatzteilen, aber letztlich sind wir selbst Laien und Bastler“, so Michael Schem. „Es geht um Hilfe zur Selbsthilfe.“ Ralf-Larissa Jürgens ergänzt: „Auch die Reparateure tauschen sich gegenseitig aus, lernen dazu und teilen ihren Erfahrungsschatz mit den Kunden.“ Ein guter Grund, hier mitzumachen – und weitere Reparateure sind herzlich willkommen.Wenn sie an ihre Grenzen stoßen, liegt es oft daran, dass die Geräte reparaturunfreundlich gebaut sind. „Die Konstrukteure nutzen etwa Schrauben, die sich nur mit Spezialwerkzeug oder eigentlich gar nicht mehr öffnen lassen“, erklärt Michael Schem. „Aber man findet 􀁙iele 􀀷ricks􀀏 wie es doch geht. Gerade gibt es eine Gesetzesinitiative, dass die Reparaturfähigkeit gewährleistet sein muss.“ Er selbst achtet bereits beim Kauf neuer Geräte darauf. „Je mehr Kunden das tun, desto interessanter wird es für Hersteller auch darüber nachzudenken.“ Ein weiteres Ärgernis ist die sogenannte „geplante Obsoleszenz“. So war das bereits erwähnte Handmixgerät so konstruiert, dass die neu gelötete Stelle nicht lange halten konnte. Während sich Ralf-Larissa Jürgens über solche dreisten Sollbruchstellen ärgert, weil sie die Lebensdauer von Geräten gezielt verkürzen, nimmt es Michael Schem sportlich. „Ich finde es gut, wenn wir dem ein Schnippchen schlagen können.“ „Aber es geht um mehr als eine Trotzhaltung gegenüber der Wirtschaft“, resümiert Ralf-Larissa Jürgens. „Wir sind ganz bewusst keine Reparaturwerkstatt, sondern ein Repair- Café. Es ist schön, bei Kaffee und Kuchen über die Gegenstände ins Gespräch kommen. Das macht die besondere Atmosphäre aus.“

18 Millionen Tonnen…

Lebensmittel werfen die Deutschen laut Schätzungen jährlich weg.

12. KLIMAWOCHE BIELEFELD

Vom 16. bis 22. März greift die 12. KlimaWoche Bielefeld wieder aktuelle Trends und Themen in Sachen Nachhaltigkeit auf und sorgt mit zahlreichen Veranstaltungen, Exkursionen, Workshops und Vorlesungen wieder für ein abwechslungsreiches Programm. Der Verein, der vor über zehn Jahren aus der damaligen Klima-AG der Friedrich- v.-Bodelschwingh-Schulen in Bethel hervorgegangen ist, treibt die Bildung für nachhaltige Entwicklung in Bielefeld weiter voran. Dazu dienen auch die Thementage, die am 16.3. mit dem Tag der Energie und Mobilität den Auftakt bilden. Sie zeigen, wo und was in Bielefeld und Umgebung für den Klimaschutz unternommen wird. Neu konzipiert präsentiert sich der Tag der Bildung. „Wir veranstalten eine Schüler-Klima-Konferenz unter dem Thema der 17 Nachhaltigkeitsziele der UN“, so Jens Ohlemeyer, Vorstandsvorsitzender der KlimaWoche Bielefeld e.V.

www.klimawoche-bielefeld.de

DEINE FAN-AKTION FÜR BIELEFELD

Plastikmüll in Kunst verwandeln. Ein nachhaltiges Kultur- Festival. Kunstwanderungen durchs Bielefelder Grün. Drei frische Ideen für den Bielefelder VeranstaltungskalenderUnd gleich zwei der drei Gewinnerprojekte des Kreativwettbewerbs „Deine Fan-Aktion für Bielefeld“ haben „Weltretter“-Potenzial. „Bielefeld for Future“ will die Stadt von Plastikmüll befreien, mit dem Abfall etwas Kreatives anstellen und zugleich das Bewusstsein für Müllprobleme im Alltag schärfen. Hinter „NEOFAMOSA“ steckt die Idee eines nachhaltigen Kunst- und Kulturfestivals, das gerade heiß diskutierte Umweltfragen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern mit Kreativität, Musik und praktischen Tipps verbinden möchte.

www.mein.bielefeld.de/fan-aktion

TRANSITION TOWN BIELEFELD

Neben den Repair-Cafés setzt die Nachhaltigkeit sinitiative noch in zahlreichen weiteren Bereichen auf „Reskilling“ und den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Von Verkehrsund Gartenprojekten bis zu den Rad-Rettern gibt es viele Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden. Weitere Infos und die Termine der Repair-Cafés unter www.ttbielefeld.de

2050…

wird in unseren Ozeanen mehr Plastik schwimmen als Fische, wenn wir unseren Umgang mit Kunststoff nicht ändern.

EINIGE NÜTZLICHE ADRESSEN

www.bielefeld.de (Wertstoffhöfe)
www.brockensammlung-bethel.de
www.art-at-work.org
www.ernaehrungsrat-bielefeld.de
www.foodsharing-bielefeld.de
www.fridaysforfuture.de
www.gab-bielefeld.de (Gebrauchtartikelbörse)
www.infonetz-owl.de
www.oxfam.de
www.radentscheid-bielefeld.de
www.recyclingboerse.org
www.umweltzentrum-bielefeld.de
www.verbraucherzentrale.de

Mehr Zahlen und Fakten:

  • Bis zu 40 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien werden im OWL-Stromnetz bereits sicher organisiert.
  • Mit 30 Prozent der in NRW installierten Windkraftleistung und derer Wachstumsrate liegt OWL bereits jetzt um mehr als das Doppelte Über dem Bundes- und mehr als das Dreifache über dem Landeswachstum.
  • 120 Mio. Tonnen CO2 das sind nur die direkten Kohlendioxid-Emissionen des Gebäudebestandes aus der Verbrennung von Heizöl und Erdgas in Deutschland. 2030 dürfen es noch maximal 72 Mio. Tonnen pro Jahr sein.
  • 60 Kleidungsstücke kaufen deutsche Verbraucher im Schnitt pro Jahr – tragen diese allerdings nur noch halb so lang wie vor 15 Jahren.
  • Rund 1 Million Tonnen Altkleider werden in Deutschland jedes Jahr in Altkleidercontainer oder Sammlungen gegeben.
  • 37,5 Millionen Tonnen Haushaltsabfall produzieren die Deutschen pro Jahr.
  • Rund 1,7 Millionen Tonnen Elektroschrott fallen in Deutschland jedes Jahr als Abfall an.