In einer quirligen Metropole trifft man auf spannende Menschen, die das Stadtleben durch ihr engagiertes Tun bereichern. Wir stellen einige von ihnen vor.

Anja Böllhoff (55) (links auf dem Bild)

ehemalige Vorsitzende und Mitbegründerin der Bielefelder Bürgerstiftung

Nach dem „verflixten“ 13. Jahr hat sie ihre Arbeit damals vertrauensvoll an ihren Nachfolger Lutz Worms übergeben. Zuvor investierte sie von 2002 bis 2015 nicht nur Zeit, sondern vor allem Herzblut und Menschlichkeit in ihre ehrenamtliche Tätigkeit. Und das äußerst erfolgreich. Ende letzten Jahres würdigte der Verkehrsverein Bielefeld jetzt das jahrelange Engagement der Bielefelder Netzwerkerin mit der Leineweber-Medaille. Nach Marie-Luise Barisch (gemeinsam mit ihrem Mann Günter) und Christiane Pfitzner ist Anja Böllhoff die dritte Frau, die diese Ehrung erhält. Anja Böllhoff, die aus Schwäbisch-Gmünd stammt, war Anfang 30 als sie die Liebe nach Bielefeld verschlug. Die Mutter dreier, damals noch kleiner Kinder, nahm die Herausforderung bereitwillig an, als damals die Idee einer Bielefelder Bürgerstiftung aufkeimte.

Mit dem Schwerpunkt Bildung von Kindern und Jugendlichen traf die Bielefelder Bürgerstiftung einen gesellschaftlichen Nerv und setzte Projekte wie „Kein Kind ohne Mittagessen“, „Musik im Kindergarten“, das Stipendienprogramm „Aufwind“ und „Ein Stein für die Burg“ um. Für die Bielefelderin ist der Erfolg jedoch kein Alleingang, sondern bis heute die Arbeit wechselnder Teams. Nachdem sie den Vorsitz der Bielefelder Bürgerstiftung 2015 abgegeben hat, trägt die heute 55 Jährige die Idee hinaus in die Welt. Seit 2016 engagiert sich die Betriebswirtin für den Bundesverband Deutscher Stiftungen als „Coordinating Director European Community Foundation Initiative“. Außerdem übernahm sie im März 2022 von ihrem Schwiegervater Wolfgang den Vorsitz der Wolfgang und Regina Böllhoff-Stiftung.✔

Prof. Herwig Scherabon (35)
Jüngster Professor der HSBI

Wenn es im Leben nach der Wahrscheinlichkeit ginge, hätte Herwig Scherabon beruflich nichts mit Medien gemacht, sondern mehr mit Kühen und Pferden. „Meine Eltern sind Tierärzte“, sagt der Medienkünstler und seit kurzem jüngste Professor der Hochschule Bielefeld (HSBI). Aber im Leben regieren auch Zufälle. Scherabon nennt es zeitgemäßer: „mit dem Flow gehen“. Und so zeichnet der 35-Jährige nun mitverantwortlich für die Studienrichtung Digital Media and Experiment, kurz DMX. Als Professor für Immersive Environments möchte er die dafür nötigen Tools vermitteln und eine neue, kritische Generation von Kreativen ausbilden.

„Für meine Studierenden ist es essenziell, schnell neue Tools erlernen zu können – genau das will ich vermitteln. Künstliche Intelligenz ist dabei eine große Hilfe. Die Zukunft liegt daher nicht im Handwerklichen, sondern im Intellektuellen. Hier bei DMX bilden wir im Grunde die Art-Direktoren von morgen aus.“ Als Künstler arbeitet der Österreicher mit multimedialen Installationen, in die Ausstellungsbesucher*innen mit Körper und Geist eintauchen können. Herwig Scherabons immersive, multimediale Installationen waren bereits in New York, Tokyo, Seoul, Berlin und vielen anderen Orten zu sehen. Er erhielt Lehraufträge am Bauhaus und in Karachi. Sein Werk ist mehrfach preisgekrönt. Stets geht es darin um das schillernde Wesen der Wirklichkeit. ✔

Lars Rosenbohm
Künstler & CityARTist

Ende 2023 hat das NRW KULTURsekretariat zum vierten Mal die begehrten „CityARTists-Preise“ an Künstler:innen aus NRW vergeben. Ausgezeichnet wurden zehn profilierte Künstler:innen aus den nominierenden 21 Mitgliedsstädten des NRWKS. Die Auszeichnungen richten sich speziell an bildende Künstler:innen, die das 50. Lebensjahr vollendet haben. Einer der Ausgezeichneten ist Lars Rosenbohm.

„Ich habe mich sehr über den CityARTists-Preis gefreut, weil das kontinuierliche künstlerische Arbeiten über eine längere Lebensphase hinweg ausgezeichnet wird und eine Wertschätzung von Künstler:innen stattfindet, die nicht in die Kunstmetropolen abgewandert sind, sondern sich in ‚ihrer‘ Stadt ein Umfeld aufgebaut haben und somit auch die jeweilige Kunstszene mit prägen“, so der Wahl-Bielefelder. „Es war etwas Besonderes, Bielefeld in dem NRW-weit ausgeschriebenen Wettbewerb zu vertreten. Sowohl die lokale als auch die überregionale Jury waren sehr gut besetzt und ich finde es toll, dass mit mir ein Künstler ausgewählt wurde, der nicht Trends folgt, sondern der sein Tun immer hinterfragt und eher aus dem Prozess heraus arbeitet. Das wurde von den Jurymitgliedern gesehen. So eine Auszeichnung ist also auch eine Bestätigung für mich.“

In der Begründung der Jury findet sich der Künstler gut getroffen. „Mir gefällt besonders der Teil, in dem von der ‚anarchischen Haltung des Punk‘ und ‚der Vorstellungswelt des Pop‘ die Rede ist und damit mein zeichnerischer Stil und meine Motivwahl beschrieben werden“, unterstreicht Lars Rosenbohm. „Für mich umschreibt das meine künstlerische Freiheit, die mir immer sehr wichtig ist. Ich habe oft erlebt, dass meine Arbeiten als herausfordernd gesehen werden. Die Jury schreibt: ‚Sich entziehen – das ist schlicht keine Option‘. So ein Satz gefällt mir, denn so soll Kunst sein: eine Herausforderung, die einen erstmal stört und irritiert, fragend ist und einen nicht wirklich loslässt. Die zeichnerische Qualität wird in der Begründung ebenfalls erwähnt. Das ist doch wunderbar!“

Nach Bielefeld hat den gebürtigen Lemgoer übrigens das Studium am FB Gestaltung geführt, das er 2001 mit dem Diplom Zeichnung/Malerei abgeschlossen hat. Dass er geblieben ist, war keine bewusste Entscheidung, sondern hat sich einfach ergeben. „Neben der wichtigsten Tatsache, nämlich, dass ich hier meinen Mann kennenlernte und mich in meinem Freundeskreis wohl fühle, ergaben sich einige Dinge, die mich nach dem Studium nicht in ein Loch fallen ließen“, so der Künstler. „Ich habe mit meinen Arbeiten eine gewisse Resonanz erfahren, konnte sowohl regional als auch überregional ausstellen und hatte Lehraufträge an der FH und Uni Bielefeld. 2001 lernte ich noch vor der Eröffnung des Marta dessen Gründungsdirektor und ehemaligen Documenta-Leiter Jan Hoet kennen, der etwas in meinen Zeichnungen gesehen und mir über Jahre hinweg mit Rat und Tat und seiner Kritik geholfen hat. Außerdem hat er Arbeiten für die Sammlung des Museums angekauft. Auch in Bielefeld entstanden gute Kontakte zur Kunsthalle und dem Kunstverein und ich konnte in beiden Häusern ausstellen. Sehr wichtig für mich war, dass ich 2009 Mitglied von Artists Unlimited wurde und seitdem in dem Künstler:innenhaus mein Atelier habe. Ein Ort, an dem sich lokale und internationale Künstler:innen begegnen und austauschen.“ www.cityartists.de/lars-rosenbohm www.larsrosenbohm.de Instagram: @lars_rosenbohm


Annette Bernloehr
Leiterin des Studiengangs Angewandte Hebammenwissenschaft

Die UNESCO hat das Hebammenwesen jetzt in die Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Die UN-Organisation würdigt damit die weltweite kulturelle Vielfalt, die sich in der Praxis widerspiegelt. „Die Bedeutung des Hebammenwesens für die Gesellschaft kann nicht hoch genug eingeschätzt werden“, unterstreicht auch Prof. Dr. Annette Bernloehr, die den Studiengang Angewandte Hebammenwissenschaft an der HSBI leitet.

„Das bestätigt die Initiative der UNESCO jetzt noch einmal eindrucksvoll.“ Wer heute Hebamme werden will, muss ein Bachelorstudium absolvieren. Seit dem Wintersemester 2021/2022 bildet die Hochschule Bielefeld (HSBI) angehende Hebammen aus. Im Bachelorstudiengang „Angewandte Hebammenwissenschaft“ erlernen die Studierenden im regelmäßigen Wechsel aus Theorie und Praxis in sieben Semestern den Beruf. „Hebammen sorgen dafür, dass der Start ins Leben gelingt, dass Mutter und Kind rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und auch in der Stillzeit optimal versorgt sind“, macht Annette Bernloehr deutlich, die in der Akademisierung der Hebammenausbildung zahlreiche Vorteile sieht und resümiert: „Aus den Studierenden werden praktisch tätige Hebammen, die wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis tragen und damit umfassend für diesen verantwortungsvollen Beruf ausgebildet sind.“ Aus ihrer Sicht trägt die Akademisierung der Ausbildung zur Verbesserung der Qualität von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett bei. ✔

Carmen Hochmann (53)
Illustratorin und Kinderbuchautorin

Die Idee ein neues Kinderbuch über die Sparrenburg zu machen, hat mich einfach nicht losgelassen“, sagt die Bielefelderin, die das Buchprojekt mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne realisieren möchte und hofft, dass sich viele BielefelderInnen für diese Idee begeistern können. Schließlich ist das Kinderbuch zu Bielefelds Wahrzeichen, das sie vor 20 Jahren illustrierte, seit langem vergriffen. Die Faszination für Bielefelds Burg aber begleitet sie. „Das neue Buch wird, obwohl das Thema das Gleiche ist, komplett anders sein“, verspricht die Illustratorin. „Die Zeichnungen von damals finde ich heute ganz furchtbar.“ Doch nicht nur die Illustrationen für das neue Kinderbuch sind moderner, frecher und cooler. Auch der Lesespaß – angereichert mit vielen Infos – kommt nicht zu kurz. Natürlich erklärt das Buch nicht nur die Geschichte der Sparrenburg und das Mittelalter kindgerecht, auch, was sich in den Kasematten befindet und was auf der Burg heute so los ist, macht Carmen Hochmann durch ihre Zeichnungen sichtbar. Und damit der Spaß nicht zu kurz kommt, hat Carmen Hochmann zahlreiche kleine Rätsel- und Suchspiele integriert.

„Außerdem gibt es eine Anleitung zum Bau eines kleinen Katapultes. Ein großes Würfelspiel rundet das Buch ab“, erklärt die 53-Jährige, die bereits drei Bücher über den Tierpark Olderdissen illustriert und geschrieben hat. Diejenigen, die sich bei der Crowdfunding-Aktion bei Startnext beteiligen, finden sich später im Buch wieder. „Ich zeichne sie
ins Buch“, erklärt Carmen Hochmann ihre Idee. Mitte April soll das neue Kinderbuch (38 Seiten, A4-Format, 14,80 €) über die Sparrenburg mit einer Auflage von 4.000 Stück erscheinen. ✔

Malick Koutou
Organisator des 1. OWL Afrofestivals

Zum 10. Geburtstag von Tang – The African Network
of Germany – hat Malick Koutou in Berlin den Tang
Excellence Award verliehen bekommen. Unter der
Leitung von Dr. Sylvie Nantcha vertritt dieser Verband über 800 afrikanische Vereine und Einzelpersonen und leistet bundesweit beeindruckende Arbeit als Brückenbauer zwischen der deutschen Mehrheitsgesellschaft und der afrikanischen Diaspora.
Malick Koutou wurde bei der Jubiläumsfeier am 02. Dezember 2023 für sein herausragendes Engagement bei der Organisation und Durchführung des ersten OWL Afrofestivals geehrt. „Als Schirmherrin des Festivals freue ich mich sehr, dass Malick Koutou den Preis überreicht bekommen hat. Er hat unfassbar viel Zeit und Herzblut in das Projekt investiert“, so Christina Osei, MdL aus Bielefeld. Der in Bielefeld lebende Malick Koutou stammt aus Burkina Faso und hat den Verein Afrika Wakati e. V. mitgegründet.

Die Afrofestival Aktionswochen sollen den interkulturellen Austausch fördern und Menschen miteinander verbinden, um Alltagsrassismus abzubauen. Alle zwei Jahre soll ein afrikanisches Land im Mittelpunkt der unterschiedlichen Veranstaltungsformate stehen. Den Auftakt machte 2023 Burkina Faso. Neben dem großen Afrofestival hat der Verein im Juli 2023 sein neues „Community-Atelier“ in Bielefeld eröffnet. Auch das Atelier soll als Begegnungsort für Menschen verschiedener Kulturen dienen. Besucher*innen können die Räumlichkeiten unter anderem für verschiedene kreative Handwerks-Projekte nutzen. ✔ www.afrika-wakati.org