Omar El-Saeidi
Chancen erkennen und ergreifen, heißt immer auch, Entscheidungen zu treffen. Omar El-Saeidi hat genau das getan. Der Bielefelder Schauspieler wechselte von der Theaterbühne vor die Kamera und verantwortet mit der Culture-Clash-Comedy Habibi Baba Boom gemeinsam mit Sascha Vredenburg erstmals eine Serie als Schauspieler, Autor und Regisseur. Ein Schritt, der viel über seinen Weg – und über den Mut zur Veränderung – erzählt.

„Was mir meine Kinder geben, ist eine Superpower: ihre schonungslose Liebe.“ Es ist ein Satz, der viel über Omar El-Saeidi verrät – und über die Haltung, mit der er Entscheidungen trifft. Nähe, Verantwortung und der Blick auf das Wesentliche spielen für ihn heute eine größere Rolle als früher, auch im Beruf.
Seit 2009 lebt er in Bielefeld, spielte hier viele Jahre fest am Theater, kehrt bis heute für Gastrollen auf die Bühne zurück – und startete von hier aus seine Fernsehkarriere. Der Spagat zwischen Bühne und Set war nicht immer leicht. Mit Habibi Baba Boom, bei Disney+ im Stream verfügbar, verbindet sich nun vieles: persönliche Themen, gesellschaftlicher Humor und ein klarer Bielefeld-Bezug.
CHANCEN ERKENNEN
Vor einigen Jahren gewann Omar El-Saeidi den Deutschen Comedypreis für „Das Institut – Oase des Scheiterns“. Habibi Baba Boom ist aktuell gleich in drei Kategorien – beste Serie, bester Hauptdarsteller, beste Hauptdarstellerin – für den Jupiter Award nominiert. Und zeigt, wie vielschichtig Humor sein kann – und wie sehr er davon lebt, Chancen zu erkennen und zu ergreifen. Die Idee zur achtteiligen Serie über einen deutsch-ägyptischen Steuerberater aus Bielefeld entwickelte er gemeinsam mit Sascha Vredenburg, Headautor und Regisseur. Fünf Jahre Arbeit stecken in dem Projekt. „Es brauchte einen langen Atem“, sagt Omar El-Saeidi, der in einer großen Familie mit sechs Geschwistern aufwuchs. Die Puste ist ihm nicht ausgegangen. Als Sami, ein „Alman mit muslimischen Wurzeln“, schlingert er durch westliche und östliche Lebenswelten. „Wir spielen augenzwinkernd mit Stereotypen und Klischees“, sagt der 45-Jährige. Die Frage „Darf man eine Comedy über Muslime in Deutschland machen?“ beantwortet die Serie mit Humor, Selbstironie und Haltung. „Disney+ hat sich von unserer Idee, unserem Feuer anstecken lassen“, freut er sich. Chancen nicht nur zu erkennen, sondern sie auch konsequent zu verfolgen – das zieht sich durch seine Biografie. Ob Comedy, Krimi oder Satire – Omar El-Saeidi ist in vielen Genres zuhause. In SOKO Potsdam steht er zurzeit erneut als Ermittler David Grünbaum vor der Kamera. „Wir haben für die achte Staffel insgesamt zwölf Folgen abgedreht, die seit Ende letzten Jahres in der ZDF Mediathek und ab dem 5. Januar dieses Jahres im ZDF zu sehen ist. Staffel 9 steckt gerade in der Planung“, sagt er. Eigentlich hätten seine Eltern für ihn einen anderen Weg vorgesehen. „Wenn es nach ihnen gegangen wäre, wäre ich Zahnarzt geworden“, sagt Omar El-Saeidi schmunzelnd. „Schauspieler zu werden, ist das absolute Gegenteil davon.“ Ganz
ohne Sicherheitsnetz ging er dennoch nicht los: Vor dem Schauspielstudium absolvierte er ein duales BWL-Studium und wäre fast Immobilienwirt geworden. „Aber ich bin dann doch lieber abgebogen.“ Erste Bühnenerfahrungen sammelte er in der Schul-Musicalgruppe. „Das war quasi mein Coming-out-Erlebnis. Der Zusammenhalt, die Anerkennung – einfach klasse.“ Und so wagte er nach dem BWL-Studium den Schritt an die Hochschule für Musik und Theater Rostock. Noch während seiner Schauspielausbildung eröffnete sich ihm 2007 eine besondere Chance: Am Schauspiel Köln arbeitete er unter der Regie von Karin Beier. Sie suchte Darstellende mit Migrationshintergrund, schaffte Hautfarbe und Herkunft als Besetzungskriterien ab. „Das war eine wichtige Erfahrung, dass sich Chancen dort eröffnen, wo Zuschreibungen hinterfragt werden”, erklärt Omar El-Saeidi.
IN BIELEFELD ZUHAUSE
Von Köln führte der Weg nach Bielefeld. Das Theater wurde für mehrere Jahre zur künstlerischen Heimat. Parallel stand er immer wieder vor der Kamera. „Der Absprung aus dem festen Ensemble war dann eine große Entscheidung – nicht leicht und auch emotional“, resümiert er. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet er inzwischen freiberuflich, wechselt zwischen Bühne, Film, Schreiben und Regie, ist auch als Coach und Sprecher aktiv. „Ich erzähle gern Geschichten über Menschen und arbeite gern mit Menschen“, sagt er. „Aber in erster Linie bin ich Schauspieler.“ Stillstand ist keine Option. Weiterentwicklung schon. Sein Motto: „Sich Chancen selbst schaffen und nicht zu warten, bis das Glück einen trifft.“ Mit Habibi Baba Boom verwebt er jetzt Biografisches, gleichzeitig ist die Serie auch ein kleines Familienprojekt: Seine beiden Söhne spielen mit, seine Frau, Schauspielerin Julia Patzelt, ist ebenfalls Teil der Produktion. Und dann ist da noch Bielefeld. Der gebürtige Gießener ist längst Arminia-Fan. Für Habibi Baba Boom durfte sogar in der Schüco-Arena gedreht werden.