Dirk Cremer & Paul Plaßmann

Wenn das Thermometer Richtung 30 °C unterwegs ist, denken viele an Freibad und Hitzefrei. Doch spätestens ab gefühlten 32 Grad wird Hitze zum Gesundheitsrisiko. „Für ältere Menschen sind manchmal schon 25 Grad zu viel“, sagt Paul Plaßmann. Gemeinsam mit Dirk Cremer setzt er im Gesundheits-, Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt die 2024 vom Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz der Stadt Bielefeld beschlossene Hitzeaktionsplanung um.

Besonders ältere Menschen mit mehreren Vorerkrankungen leiden unter der Hitze, da sich bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Lungenerkrankungen verschärfen können. Hitze ist gefährlich, drinnen wie draußen. „Hitzeausschlag und leichter Sonnenbrand sind leichtere Krankheitsbilder“, erklärt Dirk Cremer. Ein mittelschweres Krankheitsbild sind Hitzekrämpfe, schlimmer ist der Sonnenstich und besonders gravierend der Hitzschlag, dann ist sofortige medizinische Hilfe erforderlich. „Es ist gut, wenn die Menschen wissen, was in solchen Fällen zu tun ist und aufeinander achten. Mit der Hitzeaktionsplanung möchten wir vor allem Präventionsarbeit leisten, sodass man bei Hitze vorbereitet ist.“

Ab einer gefühlten Temperatur von 32 Grad gibt der Deutsche Wetterdienst offiziell die Hitzewarnstufe 1 aus und die Kommunikationskaskade der Stadt Bielefeld greift.

Ziel der Kommunikationskaskade ist der Schutz vulnerabler Gruppen. Das Gesundheitsamt informiert die entsprechenden Ämter, die wiederum Multiplikator*innen informieren, u. a. Schulen, Kitas, Einrichtungen Pflege und Altenhilfe und dem Streetwork. Ziel ist es, möglichst alle – auch schwer erreichbare Personengruppen – zu erreichen. 2025 gab es in Bielefeld sechs Hitzewarnungen, zwei davon der Hitzewarnstufe 2 ab 38 Grad gefühlter Temperatur – ein Novum.

Hitze gilt als größtes klimawandelbedingtes Gesundheitsrisiko in Deutschland, mit bis zu 8.500 Verstorbenen pro Jahr. Zugleich wächst die Zahl der Risikogruppe älterer und pflegebedürftiger Menschen. „Viele leben allein, trinken zu wenig oder haben durch Demenz ein verändertes Temperaturempfinden“, berichtet Dirk Cremer. Genau hier setzt die Hitzeaktionsplanung an. So wurden in dicht besiedelten Stadtteilen wie Mitte, Gadderbaum und Brackwede über 80-Jährige per Postkarte angeschrieben, um sie für Hitze zu sensibilisieren und über das „Hitzetelefon“ zu informieren. Wer sich registrieren lässt, erhält die Hitzewarnungen und einfache Tipps per Telefon. Zusätzlich können Hitzepat*innen vermittelt werden. Sie besuchen ältere Menschen zu Hause, sorgen bei Bedarf für Abkühlung – etwa durch richtiges Lüften und angepasste Kleidung –, begleiten beim täglichen Spaziergang, dem Weg zur Arzttermin, übernehmen Besorgungen oder bieten Sicherheit durch bloße Anwesenheit oder Erreichbarkeit.

In anderthalb Jahren wurden u. a. über die Freiwilligenagentur Bielefeld e.V. und Initiative Nachbarschaft rund 40 Ehrenamtliche geschult. „Die Patinnen und Paten engagieren sich mit beeindruckendem Einsatz und viel Eigeninitiative“, betont Paul Plaßmann. Sein persönlicher Gänsehautmoment: Im Winter boten einige Ehrenamtliche eigenständig Unterstützung bei Schnee und Glätte an – ein starkes Zeichen für Verlässlichkeit und gelebtes Miteinander.

Die Hitzevorsorge wird uns weiter begleiten: Die Durchschnittstemperaturen steigen, extreme Hitzeereignisse nehmen in Europa weltweit am stärksten zu. Im Rahmen der Hitzeaktionsplanung wird deshalb auf Aufklärung gesetzt, neben Flyern in verschiedenen Sprachen, Plakaten und Postkasten auch mit Thermo-Aufklebern inklusive Trinkerinnerung ab 28 °C. Ganz pragmatisch sensibilisiert zudem ein Fächer mit dem Slogan „Heiße Zeiten, kühler Kopf“ für das Thema. Und wo liegt Bielefelds coolster Ort? „Sicherlich unter Bäumen am Johannesbach“, so die beiden in der Hitzeprävention engagierten Fachleute.

Infos zum Hitzetelefon, Hitzepatenschaften, der Karte Kühle Orte und Tipps zum Verhalten bei Hitze, gibt’s beim Hitze-Portal. www.bielefeld.de/hitzeportal