Mehr Vielfalt. Mehr Gerechtigkeit
1989 gewannen die DFB-Frauen die Fußball-Europameisterschaft gegen Norwegen – und erhielten als Prämie ein Kaffeeservice. Zum Vergleich: Als die Männer 1980 den EM-Titel holten, gab es kolportierte 30.000 DM pro Spieler.

Zwar steigen die Prämien mittlerweile allmählich, doch besteht in vielen Sportarten weiterhin eine deutliche Lücke. In anderen Disziplinen ist diese eklatante Differenz zwar geringer, doch noch immer entscheidet das Geschlecht darüber, wer welchen Platz in der Vereins- oder Verbandsführung, in der Trainingshalle oder im Scheinwerferlicht bekommt.
„Ungleichheiten im Sport sind vielfältig – und sie treffen insbesondere Frauen sowie trans- und nicht-binäre Personen“, berichtet Juliana Groß vom Projekt „Klischeefrei im Sport“, das vom Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit durchgeführt und vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördert wird. Weniger Trainingszeiten für Frauenteams, fehlende Forschung zu frauenspezifischem Training, einseitige mediale Berichterstattung und selbst die Kleidervorschriften erzählen Geschichten. Stichwort „Bikini-Pflicht“ beim Beachvolleyball. Eine Regelung, die nach jahrzehntelanger Sexismusdebatte gekippt wurde. „Athletinnen sollten die Wahl haben, was sie tragen“, betont Juliana Groß.
„Klischeefrei im Sport“ will die tief verankerten Geschlechterstereotypen aufbrechen und dafür sensibilisieren. „Wir alle haben Klischees im Kopf. Es geht darum, dass wir sie uns bewusst machen, um mehr Gerechtigkeit zu erreichen“, sagt die sympathische Projektleiterin, die selbst begeisterte Läuferin und Radfahrerin ist. Das Ziel ist ein Sport, der allen offensteht. „Menschen sollten einfach den Sport machen können, der sie begeistert, ohne sich rechtfertigen zu müssen.“
Das fünfköpfige Projekt-Team setzt deshalb auf Aufklärung, Reflexion und konkrete Lernangebote. Neben Infoständen auf Sportveranstaltungen und Workshops ist das Herzstück ein modularer E-Learning-Kurs: die kostenfreie „E-Sporttasche“. „Hieran haben wir zwei Jahre gearbeitet und freuen uns sehr über die vielen positiven Rückmeldungen.“ Denn der modular aufgebaute Kurs vermittelt nicht „nur“ Wissen über u. a. Geschlechterklischees, historische Meilensteine der Gleichstellung im Sport, sondern Vereine und Verbände erhalten direkt anwendbare Werkzeuge – vom Leitfaden zur Bestandsaufnahme bis zu fertigen Präsentationen für eigene Workshops. Und die Beantwortung der Fragen macht auch noch Spaß.
Vorbilder gesucht
Ein Fokus wird auf die „klischeefreie Sportberichterstattung“ gerichtet. Steht bei der Berichterstattung die Leistung der Frau im Vordergrund? Welche Fotos werden ausgewählt? Manchmal werden bei Interviews oder Fernsehdrehs Rollenbilder unbewusst reproduziert. Abgesehen von sportlichen Großveranstaltungen sind Sportlerinnen in den Medien mit gerade mal 10 Prozent deutlich unterrepräsentiert. Aber es tut sich etwas: „Wenn wir beim Beispiel Fußball bleiben, so ist die Anzahl der Medienbeiträge über die Frauen-Bundesliga seit der Saison 2020/21 sowohl im Free-TV als auch in den Online- und Printmedien deutlich gestiegen“, erklärt Juliana Groß.
Ganz generell ist Sichtbarkeit für Athletinnen essenziell, denn damit einher gehen Vermarktungsmöglichkeiten, Sponsorengelder, Ausrüstungsverträge und die Möglichkeit, professionelle Bedingungen für den eigenen Sport zu schaffen. Social Media bietet hierbei eine gute Chance, dass Sportlerinnen in den Vordergrund treten. Diese erfüllen eine wichtige Funktion, denn Frauen und Mädchen brauchen Vorbilder, als Sportlerinnen, Trainerinnen, Schiedsrichterinnen sowie als Funktionärinnen in Vereinen und Verbänden.
„Wenn der Sport gerechter wird, gewinnen alle – auch die Männer“, sagt Juliana Groß. „Studien zeigen: Diversere Teams treffen bessere Entscheidungen, Organisationen performen stärker, Ehrenamtliche bleiben länger. Geschlechtergerechtigkeit ist damit entscheidend für die Zukunft des Sports.“
Mehr Infos über das Projekt, Factsheets und die kostenfreie E-Sporttasche gibt es unter
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Sport macht nicht nur Spaß und fit, sondern fördert auch Integration und Teilhabe. Dafür stehen die vielfältigen Sportvereine in Bielefeld wie www.bielefeldunited.de, www.sportbund-bielefeld.de