Romandebüt von Jochen Mariss
Manchmal werden Träume wahr. Für den Wahl-Bielefelder ist es die Veröffentlichung seines Romandebüts. Der Mitbegründer des Verlags Grafik Werkstatt ist vielen auch als Musiker und Komponist der Band Z.O.F.F. bekannt. Am 9. Juli erscheint „Tag e am Fluss“ bei Kiepenheuer & Witsch.

Wie fühlt es sich an, in einem renommierten Verlag als Spitzentitel angekündigt zu werden?
Wenn du über Jahre Ablehnungen oder Schweigen für deine Manuskripte erntest und schon fast nicht mehr an eine Veröffentlichung glaubst, dann ist das einfach eine große Anerkennung deiner Arbeit und die Erfüllung eines Wunsches, für den du sehr weit gegangen bist. Ich empfinde Kiepenheuer & Witsch als perfekte literarische Heimat, die meinen Texten eine große Leserschaft und Resonanz verschaffen kann.
Was ist Thema des Romans und welche „Botschaft“ hat er?
Es gibt mehrere große Themen: Der Generationenkonflikt zwischen Sara und Leon, die Schwierigkeit, sich selbst zu vergeben, das Glück von Begegnung. Und über all dem liegt wie ein Hintergrundrauschen die Sorge um unseren Planeten. Genauso erlebe ich das auch: wie eine düstere Wolke über meinem Leben. Die Mutlosigkeit und das Zögern der Politik machen mir Angst. Bei all den aktuellen Krisen, die die Welt in Atem halten, verlieren wir Zeit, die wir nicht haben.
Der idyllische Ort am Fluss, an dem der Roman spielt, ist letzten Endes ein Symbol für die Erde, auf der wir leben. Eine Art Sehnsuchtsort, an den sich Sara mit ihrer Angst vor einer ungewissen Zukunft und den dunklen Geheimnissen ihrer Vergangenheit zurückgezogen hat. Im besten Fall erleben die Leser*innen diese kleine Welt mit ihren Wundern und ihrer Verletzlichkeit als einen Ort, den zu bewahren sich lohnt – und lassen sich ermutigen, sich für den Erhalt unseres blauen Planeten stark zu machen.
Vom Klimawandel ließe sich auch in einem Sachbuch erzählen…
Ich komme ja von der ganz kurzen Textstrecke, von Gedichten, die als Postkarten bei der Grafik Werkstatt erschienen sind. Das heißt: Wenige Worte, an denen du sehr lange feilst wie ein Diamantenschleifer, bis der Text zu funkeln anfängt. Irgendwann haben mich komplexere Textlandschaften gereizt, die Erschaffung von vielschichtigen Lebenswirklichkeiten, die Begegnung von Figuren – eine Arbeit, die vielleicht eher mit der eines Teppichknüpfers vergleichbar ist und ungeheuren Spaß macht.
An einem Sommertag strandet ein junger Mann mit Kopfverletzung bei der Fährfrau Sara Harmsen und bringt ihre sorgsam errichteten Mauern ins Wanken. Beide teilen die Liebe zur Natur und die Sorge um unseren Planeten. Als sie sich gegen eine geplante Brücke wenden, die Saras Fähre bedroht, sehen sie sich Anfeindungen und Übergriffen aus dem Dorf ausgesetzt. Und dann tritt auch noch der Fluss über die Ufer … „Diese Zeit ruft nach Geschichten wie dieser. Stark und stärkend, voller Lust am Leben. Große Empfehlung!“, schwärmt Luisa Neubauer im Verlagskatalog.

Termintipp: 11. Juli, 19.30 Uhr, Open-Air-Lesung mit Jochen Mariss im Bauernhausmuseum (bei Regen indoor)