Die Stadt vor der Haustür neu entdecken
Manchmal braucht es keine weite Reise, sondern einen neuen Blick auf das Vertraute. Als Autorin und BIEfluencerin entdeckt Rebecca Schirge besondere Orte in Bielefeld und OWL. Mit Martin Knabenreich, Geschäftsführer der Bielefeld Marketing GmbH, spricht sie über Mikroabenteuer, nachhaltigen Tourismus und Bielefelds touristisches Potenzial.

Du kennst viele Regionen. Warum lohnt sich der Blick vor die eigene Haustür gerade in Bielefeld?
Ich habe beruflich schon viel von der Welt gesehen. Durch meine Buchprojekte begann ich dann, meine Heimat ganz neu und sehr intensiv zu entdecken. Dabei ist mir bewusst geworden, wie schön es hier ist.
Oft denke ich bei einem Panorama: Würde ich das im Urlaub sehen, würde ich sofort sagen: „Wow, ist das schön!“ Diesen offenen, begeisterten Blick sollten wir auch zu Hause öfter einnehmen.
Warum passt Bielefeld so gut zum Trend Mikroabenteuer?
Weil man mit wenig Aufwand aus dem Alltag ausbrechen kann und es so viel Natur gibt. Ich empfehle gern, regelmäßig etwas Ungewöhnliches in der eigenen Stadt zu unternehmen. Zum Beispiel sich mit einem Heißgetränk zum Sonnenaufgang auf die Promenade zu setzen und zuzusehen, wie die Stadt langsam erwacht.
Ein freier Nachmittag in Bielefeld – was sollte man machen?
Ich würde auf jeden Fall auf den Sparrenburgturm steigen. Von dort oben sieht man sofort, wie herrlich grün es hier ist. Ein 360-Grad-Waldpanorama. Danach würde ich mich auf die Terrasse im Innenhof der Sparrenburg setzen und über die Dächer schauen. Ich nenne diesen Ort liebevoll das „Montmartre“ Bielefelds.

Was bedeutet nachhaltiger Tourismus für Bielefeld?
Für Bielefeld heißt das, dass die Anreise ohne Auto einfach sein sollte. Gäste sollten regionale Gastronomie, inhabergeführte Geschäfte und Kulturorte kennenlernen und damit lokale Betriebe unterstützen. Die Zertifizierung als „Nachhaltiges Reiseziel“ ist dabei ein wichtiger Schritt.
Was macht heute ein gutes Stadterlebnis aus?
Dass es mich emotional oder sinnlich berührt und mir einen neuen Blick auf die Stadt eröffnet. Jetzt, wo so vieles künstlich generiert wird, wächst die Sehnsucht nach persönlichen Erfahrungen und echten Begegnungen. Viele Menschen möchten außerdem wieder mehr Zeit draußen verbringen und Natur hautnah erleben.
Was müsste sich in den nächsten zehn Jahren entwickeln?
In zehn Jahren würde ich gern deutlich mehr internationale Gäste in der Stadt sehen. Dafür braucht es mehr englischsprachige Wegweiser, sichere Radwege, Fahrradverleihstationen und touristische Angebote, die besser miteinander verknüpft sind. Außerdem wünsche ich mir eine einladendere Innenstadt – mit Blumen und mehr Grün auf Dächern, an Fassaden und auf öffentlichen Plätzen.
Warum sollte man in Bielefeld unbedingt einmal anhalten?
Weil Bielefeld viel mehr ist als die abgenutzte Verschwörungstheorie. Die Stadt drängt sich nicht auf und überrascht gerade deshalb: An der freigelegten Lutter vor den bunten Häusern kommt ein Hauch Amsterdam-Feeling auf, der Bielefelder Westen mit seiner Graffiti-Kunst erinnert ein wenig an Berlin, und dank des Teutoburger Waldes wartet die Natur direkt vor der Haustür.