ORIENTIERUNG FÜR BETROFFENE UND ANGEHÖRIGE
Wer plötzlich einen Pflegefall in der Familie hat, steht vor vielen organisatorischen Fragen. Welche Pflegeeinrichtungen haben freie Plätze? Was bedeutet Kurzzeit- oder Verhinderungspflege? Welche Hilfsmittel gibt es, wie lässt sich die Wohnung barrierefreier gestalten – und wer übernimmt die Kosten? „Das ist der Klassiker: Die Tochter oder der Sohn ruft an, um sich zu informieren“, sagt Sabine Brinkmann, Leiterin der Pflegeberatung der Stadt Bielefeld.
Seit 1997 bietet die Beratungsstelle, die zum Amt für soziale Leistungen – Sozialamt gehört, im Rathaus kostenlose und unabhängige Orientierung im „Pflegedschungel“. „Wir stehen im engen Austausch mit Wohn- und Teilhabeberatung, weil Themen wie Wohnen, Mobilität, Behinderung oder Einsamkeit im Alter meist zusammenhängen“, erklärt Sabine Brinkmann. In persönlichen Gesprächen – im Rathaus oder an fünf Außenstandorten – unterstützen die Beraterinnen Angehörige und geben praktische Tipps. Zunehmend kommen auch fitte Seniorinnen und Senioren, die frühzeitig Vorsorge treffen möchten. „Wir beraten direkt vor Ort, prüfen etwa, ob eine ebenerdige Dusche oder der Einbau einer Rampe möglich ist.“
Anschauliche Lösungen bietet die Musterwohnung der BGW, wo das barrierefreie Bad, die rollstuhlgerechte Küche und verschiedene Alltagshilfen ausprobiert werden können. Für alle, die nicht im Harrogate Wohnpark vorbeikommen können, soll künftig ein virtueller Rundgang per VR-Brille bei Veranstaltungen der Beratungsstelle zur Verfügung stehen. Zudem rückt die Beratung pflegende Angehörige stärker in den Fokus – mit Angeboten zur Entlastung und Stärkung der eigenen Gesundheit.
PFLEGEPORTAL ALS LOTSE
Relativ neu ist die kultursensible Beratung, die sich an zugewanderte Ältere oder Menschen mit Behinderung wendet. „Wir suchen aktiv den Kontakt zu den Communitys, um auf unsere Beratungsangebote aufmerksam zu machen“, so Sabine Brinkmann. Dazu wurden drei Kurzfilme in mehreren Sprachen über die Angebote Begegnungscafé, Tagespflege, ambulanter Pflegedienst produziert. „Um Menschen den Zugang zu stationärer Pflege zu zeigen, haben wir beispielsweise den Tag der offenen Tür einer Pflegeeinrichtung genutzt und sind mit einer Gruppe kurdischer und arabischer Frauen dort hingefahren. Das hatte noch einen überraschenden Effekt“, so Sabine Brinkmann. „Einige Frauen fragten nicht nur nach Unterbringungsmöglichkeiten für ihre Angehörigen, sondern erkundigten sich nach Arbeitsmöglichkeiten. Zwei Frauen vereinbarten sogleich einen Vorstellungstermin.“ Pflege ist ein sensibles Thema. Vertrauen entsteht durch Begegnungen und Gespräche – nach Möglichkeit in der Muttersprache. Ein wichtiger Anker ist hierbei auch das Pflegeportal der Stadt Bielefeld. „Hier haben wir gerade den Google Translator angedockt, um die Inhalte in alle Sprachen der Welt übersetzen zu können“, erzählt Sabine Brinkmann mit Blick auf die ständige Weiterentwicklung der Website. Sehr praktisch ist für Nutzende das „Ampelsystem“ für ambulante Pflegedienste. „Hier können die Dienste mit grün, gelb und rot markieren, ob sie gerade Kapazitäten haben, für Anfragen offen sind oder total ausgebucht sind.“ Auch Einrichtungen für Tagespflege oder stationäre Pflegeeinrichtungen oder Pflegewohngruppen können eintragen, ob aktuell Plätze frei sind. www.bielefeld-pflegeberatung.de