WAS WIRTSCHAFT UND SPORT VONEINANDER LERNEN KÖNNEN

In einer sich ständig wandelnden Welt sind es nicht nur Technologien und Märkte, sondern vor allem Menschen und ihre Fähigkeiten, die über Unternehmenserfolg entscheiden. Diversity, Equity und Inclusion (DEI) sind heute zentrale Treiber für Innovation, Engagement und Wachstum. Kein Unternehmen kann es sich leisten, Potenziale ungenutzt zu lassen – Vielfalt wird zum Erfolgsfaktor. Genau darum drehte sich das Event „Vielfältige Teams. Starke Leistung.“, organisiert von der Initiative für Vielfalt im Bündnis OWL und DAS KOMMT AUS BIELEFELD, die mit über 200 Teilnehmenden ein sichtbares Zeichen setzen wollten.

Im Fokus der Veranstaltung in der SchücoArena stand die Keynote von Cawa Younosi, Geschäftsführer der Charta der Vielfalt e.V. Der Verein vereint über 6.500 Unterzeichnerrinnen, die sich dafür einsetzen, Diversity, Inclusion und Zugehörigkeit fest im Arbeitsleben zu verankern. younosi, der als Jugendlicher allein aus Afghanistan flüchtete, verdeutlicht, dass Vielfalt kein „nice to have“ ist, sondern ein zentraler Erfolgsfaktor – für Wirtschaft ebenso wie für Gesellschaft. In seinem Vortrag „Potenzial statt Privileg. Everybody Is A Talent“ räumt er mit verbreiteten Mythen auf. Ein zentrales Beispiel: die scheinbare Gleichbehandlung der Geschlechter. Solange Karrierechancen an Vollzeit und ständige Präsenz geknüpft sind, werden Frauen faktisch benachteiligt, denn sie leisten deutlich mehr Care-Arbeit und arbeiten häufiger Teilzeit. Seine Forderung: Führung in Teilzeit muss Normalität werden; Vollzeit eine Option. Ein weiterer Aspekt ist die mangelnde Chancengleichheit in der Bildung. Denn Leistung allein entscheide längst nicht über sozialen Aufstieg. Eine weitaus größere Rolle spielten soziale Herkunft, Netzwerke, Umfeld und Privilegien.

UNSICHTBARE BARRIEREN ÜBERWINDEN

Daraus ergeben sich Implikationen. Unternehmen müssen sich ihrer Verantwortung stellen und konkrete Maßnahmen ergreifen.
Inklusive Führung, Fehlerkultur, psychologische Sicherheit und der bewusste Umgang mit Privilegien sind zentrale Hebel. Dazu
gehört auch, dass Ängste – etwa im Umgang mit Gender-Themen oder kultureller Vielfalt – ernst genommen und Räume für Austausch geschaffen werden. Internationale Perspektiven und kulturelle Unterschiede müssen dabei ebenso berücksichtigt werden wie individuelle Bedürfnisse. Entscheidend sind Haltung, glaubwürdiges Handeln („Walk the Talk“) sowie die Bereitschaft, Widerstände im Wandel ernst zu nehmen. Insgesamt wurde bei der Veranstaltung deutlich: Diversität ist kein Selbstläufer, sondern erfordert Engagement, Reflexion und den Willen zur Veränderung – aber sie lohnt sich für alle Beteiligten. Die Wirtschaft kann vom Sport lernen: In einer Profimannschaft entscheidet einzig die Leistung, wer am Spieltag in der Startelf steht.