Dr. Benjamin Ibler

Leiter Tierpark Olderdissen

Bayern – meine Heimat – ist ein Vielvölkerstaat. Oberfranken und Niederbayern sind auch sehr divers.

Deshalb ist der Unterschied zu OWL und der Mentalität der Menschen hier gar nicht so groß. Wie alles im Leben: ein Potpourri aus Gemeinsamkeiten und Unterschieden.

Das Begegnungshaus und der Neubau des Shops und der Tierpräparate-Ausstellung sind gerade die größten Baustellen. Wenn wir damit fertig sind, geht es an die nächsten Tiergehege.

Letztes Jahr ist das Eulengehege fertig geworden, geplant ist pro Jahr eine der Holzanlagen zu erneuern. Holz hält zwar nicht ewig, aber es hinterlässt wenig Müll und lässt sich gut anpassen. Außerdem läuft viel, was man nicht sieht: Die Infrastruktur wie Strom und Wasser ist genauso wichtig.

Ich habe jeden Tag ein anderes Lieblingstier. (lacht) Aber heute ist es der Kolkrabe. Er ist der größte Singvogel überhaupt, was man bei seiner krächzenden Stimme nicht vermuten würde, und ein lebendiges, intelligentes und mitfühlendes Tier.

Unser Konrad zum Beispiel war eine richtige Tierpersönlichkeit. Als sein Weibchen gestorben ist, hat er kein anderes mehr angenommen. Jetzt hoffen wir auf Nachwuchs bei unserem neuen Paar, das gerade ein Nest baut.

Ich bin jetzt seit drei Jahren hier und fühle mich in Bielefeld angekommen. Ich erwandere mir eine Stadt gerne, um alle Ecken und Stadtteile kennenzulernen. Das geht zu Fuß besser als mit dem Auto und ich entdecke immer wieder etwas Neues.

Der japanische Garten in Bethel gefällt mir sehr, ich bin aber auch kulturinteressiert und gehe in Museen. Mein Tipp: Der Bürgerpark, dort ist nämlich erstmalig das Zootier des Jahres, der Kronenkranich, zu bestaunen. 2021 ging dort die große übernetzte Voliere in Betrieb, die ein Feuchtgebiet als Lebensraum nachbildet. Fachliche Expertise für die Vogelhaltung kommt vom Tierpark.

Mit meinen Publikationen arbeite ich daran, das Wissen über Tiere zu mehren und weiterzugeben, das ist auch etwas, das bleibt. Dass wir in Olderdissen dazu beitragen, Tiere den Menschen näherbringen, ist ja auch Rechtfertigung dafür, dass wir sie in menschlicher Obhut halten. Generell bin ich sehr bibliophil; Buchhandlungen zählen zu meinen Lieblingsorten.

Eintritt frei, Spenden erbeten: Wir leben davon, dass die Leute uns freiwillig etwas geben. Für uns ist das Verpflichtung, etwas Schönes daraus zu machen, woran die Allgemeinheit sich freut. Daran arbeiten wir jeden Tag. Durch den kostenlosen Eintritt können die Menschen auch öfter kommen, zu jeder Jahreszeit, das macht den Reiz des Tierparks aus. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, das es bei Tierparks dieser Größe nicht so oft gibt. Da stehen wir in einer Reihe mit dem Lincoln Park Zoo in Chicago und dem Smithsonian National Zoological Park in Washington. (lacht)