Silent Book Club
Sich mit anderen treffen, um in Ruhe zu lesen. Klingt erstmal paradox, aber genau so funktionieren Silent Book Clubs. Die Idee stammt ursprünglich aus den USA. Mittlerweile umfasst die Community weltweit rund 2.000 Gruppen in über 50 Ländern. Seit einem Jahr wird es auch in Bielefeld regelmäßig still.

Selbst überzeugte Leseratten kennen das: Sich einfach mal ohne Störungen und Ablenkungen mit einem Buch zurückzuziehen, gelingt viel zu selten. „Im Alltag fällt es oft schwer, sich die Zeit zum Lesen zu nehmen, aber in diesem Rahmen funktioniert das“, erklärt Johanna das Konzept.
Gemeinsam mit Tabea und Zoe organisiert sie die Treffen, bei denen jede und jeder willkommen ist, um eine Stunde lang still zu lesen. „Für mich persönlich ist der Club auch ein Motor, um ein Buch in die Hand zu nehmen“, ergänzt Jonas, der schon öfter dabei war. Überhaupt kommt die Idee offensichtlich gut an. Seit der Premiere im Oktober 2025 hat sich die Teilnehmerzahl auf ca. 30 eingependelt. Auch beim Treffen Ende August auf der Sparrenburg füllen sich draußen schnell zwei Tische.
Dass es dabei zunächst gar nicht still ist, gehört zum Konzept. „Es geht auch darum, andere buchbegeisterte Menschen in Bielefeld kennenzulernen und sich auszutauschen. Daraus sind inzwischen Freundschaften entstanden“, freut sich Johanna. Tatsächlich scheint die Liebe zu Büchern zu verbinden. Die altersmäßige bunt gemischte Gruppe ist kommunikativ, gut gelaunt und selbst, wer das erste Mal dabei ist, kommt schnell ins Gespräch. So wie die drei Bielefelderinnen, die gerade einen eigenen Lesekreis gründen wollen und hier den Austausch suchen. Während sie gemeinsam ein Buch lesen – „Die Enkelin“ von Bernhard Schlink – um dann darüber zu diskutieren, bringt beim Silent Book Club jede und jeder ein eigenes Buch mit. Dabei ist der Lesestoff an diesem Abend ebenso divers wie die Gruppe: von Thomas Bernhard über Michael Ende bis zu querer Fantasy im englischen Original. „Von Dostojewski bis zum neuen Liebesroman ist alles dabei“, resümiert Johanna. „Wer mag, trägt den Lesestoff in eine Liste ein, so sehen wir, was hier schon alles gelesen wurde.“ Außerdem gibt’s auf Instagram Empfehlungen von „Herbstbücher für jede Stimmung“ bis zu „Bücher für den Black (Hi)Story Month“.
Nach der ersten halben Stunde kehrt dann tatsächlich Ruhe ein. Die Organisatorinnen stellen das Schildchen „Shhhh … We’re reading“ auf und nach und nach versenken sich alle in ihr Buch. Und obwohl an diesem lauen Spätsommerabend auf der Sparrenburg rundherum ganz schön viel los ist, hört man an den beiden Tischen des Leseclubs nur noch das Umblättern der Seiten und ein gelegentliches leises Glucksen über amüsante Passagen.
Der Silent Book Club trifft sich jeden letzten Donnerstag im Monat. Im Sommer bei gutem Wetter draußen, im Winter im Literaturcafé der Stadtbibliothek am Neumarkt. In der ersten halben Stunde heißt es ankommen und sich einrichten, dann folgt eine Stunde stilles Lesen. Wer mag, kann sich anschließend über das Gelesene austauschen. Weitere Infos und alle Termine finden sich auf Instagram.
https://www.instagram.com/silentbookclub_bi
Foto: Stefanie Gomoll