Christiane Heuwinkel
Das Glück in der Großstadt braucht die Nähe zum Grün. Das jedenfalls antworten viele Menschen auf die Frage, was Bielefeld so lebenswert macht. Ob Teutoburger Wald, innerstädtischer Park oder Kleingarten, wo Christiane Heuwinkel, von 2019 bis 2025 Leiterin des Kunstforum Hermann Stenner, ihr eigenes Grün kultiviert.
An meinem letzten Arbeitstag im Kunsorum erhielt ich die Zu sage für einen Garten. Einige Monate zuvor hatte ich mich um einen Kleingarten in der Nähe meiner Wohnung beworben. Ich kann nicht wirklich begründen, warum. Es war Intuition“, so die Bielefelderin. Dabei sprachen ihre Kindheitserinnerungen eher gegen diesen Schritt . „Ich habe den von der Mutter bewirtschafteten, bäuerlichen Selbstversorgergarten gehasst, hatte vor allem ihre quälenden Fragen, was wohl dies oder jenes Gemüse sei, nie korrekt beantworten können und wollen. Das Abzählen der Saaterbsen, das Unkrautjäten und das Erbsendöppen – wir befinden uns im Lippischen – fand ich furchtbar“, erinnert sich die heute 64-Jährige. „Die frisch geernteten, sonnenwarmen Erdbeeren, die knackigen Kirschen waren nur eine geringe Kompensation dieses meist ungeliebten Tuns. Ich hätte lieber eine entspannte Mutter gehabt, die Dosenobst serviert, als die von der vielen Arbeit erschöpft e Mutter, die zu Recht Anerkennung für ihre Mühe erwartete und deren Hinweise auf nicht gespritzt und superfrisch ich nicht wirklich verstand.“

Dennoch ging und geht Christiane Heuwinkel seit vielen Jahren hin und wieder in den Schrebergärten in der Nähe ihrer Wohnung spazieren, be wundert die gelungenen, kritisiert die ihr missfallenden Parzellen und vergibt heimlich strenge Schulnoten. „So begann wohl ein langsamer Annäherungsprozess, der mit meiner Mitgliedschaft in einem Schrebergartenverein und einer eigenen Parzelle besiegelt wurde. 420 Quadratmeter Stauden, ein Birnbaum, vermooster Rasen, ein zugewucherter Seerosenteich, eine Terrasse, zwar mit Waschbetonplatten, aber auch mit Blick über die Stadt und im Rücken der Teuto. Dazu eine gut gepflegte Hütte.“
Gute Bedingungen, aber wenig Know-how. „Ich hatte in der Bewerbung nicht verschwiegen, dass ich nichts kann und (noch) nichts weiß, aber durchaus lernwillig und -begierig sei“, verrät die Bielefelderin. „Zudem würde meine Schwester mich coachen. Und ich schätze die Selbstorganisation in bürgerlichen Vereinen, arbeite ich doch seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Murnau-Gesellschaft und bin Mitorganisatorin des Film- und Musikfests.“
Wieviel Freude es machen kann, Unkraut zu rupfen und von gartenaffinen Freundinnen geschenkte Zwiebeln und Stauden in die Erde zu versenken und auf Großes zu hoffen, hat Christiane Heuwinkel nicht geahnt. Sie verrät: „Der Wertstoffhof wurde im letzten Sommer zu meinem bevorzugten Ausflugsziel, der Erwerb eines ferrariroten Akku-Rasenmähers erfüllte mich mit Stolz. Meine Hütte mit viel Stauraum, Sitzmöglichkeiten, Spüle und sogar einem Kühlschrank gibt mir das Gefühl, nach einem 10-minütigen Spaziergang in einer neuen Welt, in einem Ferienidyll gelandet zu sein. Das Jäten, Säen, Pflanzen ist für mich reine Meditation. So sehr sich die Gartenarbeit, die ich nicht wirklich als Arbeit empfinde, auch von meiner vorigen Berufstätigkeit unterscheidet, so viele Gemeinsamkeiten gibt es doch: Man hat Ideen, versucht sie umzusetzen, und merkt, dass alles nur im Miteinander, im Vertrauen aufeinander funktioniert. Dass ich im ersten Sommer, noch ohne überhaupt gesät oder gepflanzt zu haben, bereits Nashi-Birnen und Weintrauben ernten konnte, die meine Vorpächter liebevoll gehegt hatten, war unverdientes Glück. Ich versuche nun, die unter Unkraut verborgene, alte Struktur des Gartens wiederzufinden, akzeptiere und pflege, was da ist, und setze erste Akzente. Ich vertraue dem Garten und versuche, langsam mit ihm zu wachsen.“
Tipp: Wer sich für einen Kleingarten interessiert, findet Infos auf www.kleingarten-bielefeld.de.