GROSSES TENNIS
Von der sommerlichen Premiere im Skulpturenpark der Kunsthalle zum Auftritt im Stadttheater heißt es umswitchen. „Ein Wasserbecken werden wir für zehn Minuten nicht aufbauen können“, scherzt Stefan Mießeler. „Aber wir wollen unser kleines Geschenk an das Publikum so schön wie möglich machen.“

Überhaupt freut sich der Autor, Performer und Regisseur darauf, einen Ausschnitt seines Stückes „Center Court“ bei der Kulturgala zu zeigen. „Als beginnender Theatermacher bin ich oft an den Plakaten für die Kulturgala vorbeigegangen und habe gedacht, wie schön es wäre, dabei zu sein“,
so der Wahl-Bielefelder, den es für die Liebe und das Studium der Anglistik und Medienwissenschaften in die Stadt gezogen hat. „Schon als Student habe ich angefangen, eigene Theaterprojekte zu machen und gemerkt: Das ist der Ort, wo ich hingehöre und wo so ein komischer Mensch wie ich gut aufgehoben ist“, lacht Stefan Mießeler.
Seit 2013 arbeitet er in der freien Szene, 2017 kamen erste Förderungen und Einladungen zu Festivals dazu. Seine Arbeiten zeichnen sich durch einen Ansatz aus, der Sprechtheater mit performativen Mitteln, Ästhetiken des Trashs und dokumentarischem Material verbindet, um soziale und politische Themen auf der Bühne zu verhandeln.

„Eine Freundin hat mal gesagt, ich würde Sachen machen, die sehr poppig sind, aber trotzdem Substanz haben“, so der Theatermacher. Inhaltlich bezieht er sich häufig auf die Welt des Sports. „Ich glaube, dass Sportthemen für mich gut sind, weil ich selbst so unsportlich bin und automatisch Distanz dazu habe“, erklärt Stefan Mießeler. „Sport hat zudem Dramatik und man kann darüber aktuelle Diskurse sichtbar machen.“ So setzt sich etwa „Vollgas“ mit der Welt des Rennsports auseinander und handelt vom Optimierungswahn, der nicht nur Rennfahrer antreibt. Für das Darts-Stück „Bullseye“ ist der Autor, der hier selbst mitspielt, extra zur Recherche zur WM nach London gefahren. „Diese Volksfeststimmung wollte ich mit dem Stück einfangen.“ Gleichzeitig bearbeitet es ein autofiktionales Familienschicksal, verhandelt Klassismus und Diskurse um die Arbeiter:innenklasse. „Wir haben im Publikum Klassenunterschiede abgefragt: Wer verdient weniger als 1.500 Euro im Monat und wer ist wann zuletzt im Urlaub gewesen.“
Auch „Center Court“, eine Koproduktion mit der Kunsthalle, ist mehr als nur ein Tennis-Match. Ein diverses Ensemble aus den Bereichen Tanz, Theater und Performance setzt sich kritisch mit dem „weißen Sport” auseinander, der wie kein anderer für Exklusivität und Distinktion steht. Aber wer darf eigentlich auf den Platz? Die Künstler:innen hinterfragen historische und aktuelle Narrative von weißen Privilegien und verwandeln das Spielfeld in eine Arena, in der gesellschaftliche und kulturelle Fragen in Echtzeit verhandelt werden. Übrigens: Alle, die der Ausschnitt auf der Kulturgala neugierig macht, dürfen auf „Nachschlag“ hoffen. Momentan arbeitet Stefan Mießeler an einer Indoor-Variante der Performance.