Hebammenwissenschaften studieren

Im Kreißsaal zählt oft jeder Moment – und gleichzeitig das Gefühl, nicht allein zu sein. Genau das ist es, was Jette Schneeberger und Maja Feuerborn an ihrem zukünftigen Beruf fasziniert. Die beiden 21-Jährigen studieren angewandte Hebammenwissenschaft an der Hochschule Bielefeld (HSBI) und erleben bereits im Studium, wie nah der Beruf an den Menschen ist – und wie viel Verantwortung damit verbunden ist.

„Hebammen leisten wertvolle Unterstützungsarbeit für werdende Eltern – diese Kompetenzen wollte ich erlernen“, erklärt Jette Schneeberger. Für sie stand schon früh fest, dass sie im Gesundheitswesen arbeiten möchte.

Über Praktika und die Auseinandersetzung mit verschiedenen Berufsbildern führte ihr Weg zum dualen Hebammenstudium. Besonders die Vielseitigkeit des Berufs überzeugte sie. „Wir begleiten Frauen in der Schwangerschaft, während der Geburt und im Wochenbett. Man ist so nah an den Menschen dran und kann Familien in einer ganz besonderen Lebensphase unterstützen“, erzählt sie.

Auch Maja Feuerborn wusste früh, dass sie beruflich mit Menschen arbeiten möchte – allerdings nicht sofort in welchem Bereich. Praktika im OP oder in der Ergotherapie halfen ihr bei der Orientierung. Die Entscheidung fiel schließlich nach ersten Erfahrungen im Kreißsaal.

„Wenn man wirklich merkt, wie essenziell Hebammenbetreuung ist, wird schnell klar, wie wichtig dieser Beruf für Frauen und Familien ist“, betont die Studentin. Besonders der direkte Kontakt und das Vertrauen der Familien sind für sie entscheidend gewesen. „Dass Frauen sich sicher und gut aufgehoben fühlen, ist ein großer Ansporn für mich“, macht sie deutlich.

Seit September 2023 studieren beide an der HSBI. Jette Schneeberger kam dafür aus Sachsen nach OWL. „Es gab für mich keinen Plan B“, sagt sie. Ausschlaggebend für Bielefeld war für sie unter anderem die enge Verzahnung mit unterschiedlichen Kliniken vor Ort. Durch die Kooperationen lernen die Studierenden verschiedene Versorgungssituationen kennen – von der Maximalversorgung bis zum kleineren hebammengeleiteten Kreißsaal.

Maja Feuerborn schätzt vor allem die Mischung aus großen und kleineren Häusern sowie die regionale Nähe. Anders als an manchen anderen Standorten rotieren die Studierenden zwischen mehreren Kliniken und sammeln dadurch vielfältige praktische Erfahrungen.

Das Studium selbst ist praxisintegriert aufgebaut. Dabei spielt das Praxiszentrum angewandte Hebammenwissenschaft (PZHW) eine zentrale Rolle. Es koordiniert den praktischen Teil des dualen Sudiums, das von der Hochschule Bielefeld (HSBI) gemeinsam mit verschiedenen Kliniken angeboten wird. Über sieben Semester wechseln sich theoretische Lernphasen an der Hochschule mit praktischen Einsätzen im Kreißsaal, auf Wochenbettstationen, in gynäkologischen Bereichen der kooperierenden Kliniken in Minden und Paderborn oder bei freiberuflichen Hebammen ab. Dort stehen Schwangerschaft, außerklinische Geburtshilfe und Wochenbett thematisch im Fokus. Die Studierenden schließen ihr Studium sowohl mit dem staatlichen Examen als auch mit einem Bachelor of Science ab. Für Jette Schneeberger und Maja Feuerborn ist genau diese Verzahnung von Theorie und Praxis ein großer Vorteil des Studiengangs. „Ohne Theorie geht keine Praxis und ohne Praxis keine Theorie“, so Maja Feuerborn.

Die Inhalte sind eng aufeinander abgestimmt: Erst wird ein Thema theoretisch behandelt, anschließend folgt der passende Praxiseinsatz.

Zudem legt das Studium einen starken Fokus auf wissenschaftliches Arbeiten, evidenzbasierte Betreuung und Reflexion. „Wir lernen, uns selbst Informationen zu beschaffen und wissenschaftlich einzuordnen“, erklärt Maja Feuerborn. Jette Schneeberger ergänzt: „Es wird viel Wert darauf gelegt, das eigene Handeln zu reflektieren.“

Ein besonderer Bestandteil des Studiums ist auch die interprofessionelle Lehre gemeinsam mit Medizinstudierenden der Universität Bielefeld. Dabei geht es darum, frühzeitig Verständnis für die jeweils andere Profession zu entwickeln und die spätere Zusammenarbeit in der Versorgung von Schwangeren, Gebärenden und Familien zu stärken. Hanna Schroeder, Koordinatorin für die interprofessionelle Zusammenarbeit in der Hebammenwissenschaft an der HSBI, unterstreicht die Bedeutung dieses Ansatzes: „Es geht darum, voneinander zu wissen, die Aufgabenbereiche der anderen Profession zu kennen und bereits im Studium Zusammenarbeit als eine Bereicherung zu erleben.“

Zu den Highlights des Studiums zählt auch für die beiden Studentinnen das Skills Lab. Dort können sie Abläufe und Situationen zunächst in geschützter Umgebung trainieren, bevor sie diese in der Praxis anwenden. Gleichzeitig erleben sie bereits während der Praxiseinsätze die gesamte Bandbreite des Berufs – auch schwierige Situationen. Nicht jede Geburt verläuft komplikationslos.

Gerade in Notfällen oder bei Fehl- und Totgeburten ist professionelle Begleitung besonders wichtig. „Auch in schwierigen Situationen muss man eine würdevolle Atmosphäre schaffen und Familien gut begleiten“, unterstreicht Maja Feuerborn. „Dass genau diese intensive Betreuung vielen Familien hilft, wird oft dankbar zurückgespiegelt“, ergänzt Jette Schneeberger.

Trotz aller Herausforderungen erleben beide ihr Studium als Bestätigung ihrer Berufswahl. Besonders die Vielseitigkeit und Eigenständigkeit des Berufs begeistern sie. „Man lernt ständig weiter und weiß nie genau, was einen erwartet“, machen die zwei Studentinnen deutlich. Gleichzeitig wünschen sich beide mehr gesellschaftliche und politische Aufmerksamkeit für Hebammenarbeit und deren Rahmenbedingungen. Denn für sie steht fest: Gute Betreuung rund um Schwangerschaft und Geburt ist weit mehr als reine medizinische Versorgung – sie bedeutet Sicherheit, Vertrauen und Unterstützung in einer der prägendsten Phasen des Lebens.