„Wie geht es Dir?“ Eine scheinbar einfache Frage, auf die viele Männer keine Antwort wissen. Doch warum fällt ihnen der Zugang zu ihren Gefühlen so schwer? Mit viel Empathie für seine Mitmänner zeigt Björn Süfke im Rahmen der Gesundheitsgespräche Bielefeld, wie diese Entfremdung von den eigenen Gefühlen entsteht, welche männlichen Eigenheiten sie hervorruft und was sie für die Gesundheit bedeutet.

Ein Thema, das den Psychologen, Männerberater (man o mann Männerberatung) und Autor schon lange beschäftigt. „Ich habe selbst unter diesen Stereotypen gelitten“, sagt der Bielefelder. „Ich konnte und wollte nie so ein Mann sein, der traditionelle Männerrollen erfüllt. Das Wort Patriarchat kannte ich vor meinem Studium gar nicht, aber dann habe ich begriffen: Darunter leiden nicht nur Frauen, sondern auch Männer.“ Das lässt sich mit konkreten Zahlen untermauern. „Es ist kein Zufall, dass die Suizidrate bei Männern höher ist, sie häufiger an Suchterkrankungen leiden und früher sterben als Frauen. Bei allem, wo es um Verdrängung geht, führen wir die Statistik an.

Das ist buchstäblich ungesund“, betont Björn Süfke. Seine Überzeugung: „Über ihre Gefühle Bescheid zu wissen, macht Männer stabiler. Gefühle sind die Grundlage von sozialen Beziehungen, davon lebt erfüllte Partnerschaft, aber auch Elternschaft. Emotional präsente Väter sind als Vorbilder wichtig, und für Frauen ist es ein Gewinn, einen emotional verfügbaren Partner zu haben.“ Lachend fügt der Psychologe hinzu: „Es gibt sogar Studien, dass gleichberechtigte Paare besseren Sex haben.“ Warum fällt Veränderung dann dennoch so schwer? „Das sind Themen, die unbewusst vermittelt werden, etwa über Erziehung. Das steckt tief in uns drin und Veränderung braucht Zeit“, so der Psychologe. „Ein weiteres Problem: Um zu fühlen, was mir fehlt, muss ich Zugang zu meinen Gefühlen haben.Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Flapsig gesagt: Wir haben ein Marketingproblem.“ Gemeint ist: Frauen leuchten die Vorteile von Gleichberechtigung – Selbstbestimmung, gleiche Löhne, Ächtung sexueller Gewalt – auf Anhieb ein. „Für Männer sind die Gewinne schwerer zu vermitteln: Was soll ich da auf die Demo-Plakate schreiben? Männer sind nicht einfach zu doof“, unterstreicht Björn Süfke, „es ist schwerer, die Vorteile an sie heranzutragen.“ Dennoch ist es für ihn keine Option, die Männer einfach in Ruhe zu lassen.

„Das hieße auch, sie allein zu lassen in diesem Elend. Ich wähle extra ein starkes Wort dafür.“ Und so rät er auch Frauen, ähnlich wie er selbst es in der Beratung tut, am Ball zu bleiben. „Sie können Angebote machen, sich als Gesprächspartnerin anbieten, Verständnis äußern für das Dilemma der Männer, die plötzlich Gefühle zeigen sollen.“

Sorgen bereitet dem Psychologen der massive Rückschritt, den wir gerade auf Social Media erleben. „Verunsicherung ist eine normale Reaktion auf gesellschaftlichen Wandel, aber sogenannte Incels oder Männer aus der Manosphere nutzen das gezielt aus. Mit extrem traditionellen Männlichkeitsbildern bieten sie Männern und Jungen Halt und Gemeinschaft an. Das hat Folgen: von Radikalisierung über Gewalt bis zu Demokratiegefährdung. Toxische Männlichkeit ist schon ein passender Begriff dafür.“ Auch wenn Björn Süfke konstatiert, dass Fort- und Rückschritt gerade parallel laufen, bleibt der Ausblick für ihn positiv: „Ich glaube, dass die Bewegung zu mehr Geschlechtergerechtigkeit sich fortsetzen wird, weil es auf lange Sicht für Frauen und Männer nur Vorteile haben kann.“

www.bjoernsuefke.de

Foto: Alexander Bentheim