InnovationFestival
„Dann ist plötzlich der Wissenschaftler nicht mehr einer von 2.500 hier am Campus, sondern hat einen Namen und ein Gesicht“, erklären Franziska Beckmann und Ole Möhlenkamp. Genau diesen direkten Austausch zwischen Forschung und Wirtschaft will das InnovationFestival auch 2026 wieder möglich machen. Am 15. und 16.9. lädt der Campus Bielefeld Unternehmen, Forschende und Interessierte erneut zu Workshops, Pitches, Laborführungen und Diskussionen rund um Innovation, Transfer und Zukunftsthemen ein.
„Das wichtigste Ziel ist, die Innovationskraft, die hier am Campus Bielefeld von Universität und Hochschule präsentiert wird, greifbar und erlebbar zu machen“, sagt Ole Möhlenkamp vom Think Tank OWL, der das Festival gemeinsam mit Franziska Beckmann organisiert. Unternehmen aus der Region sollen sehen, welche Kompetenzen in der Forschung vorhanden sind und welche wegweisenden Entwicklungen für Unternehmen hier möglich werden. Daraus sollen neue Kooperationen, gemeinsame Forschungsprojekte oder innovative Produktentwicklungen entstehen.
„Gerade kleine und mittlere Unternehmen haben im Alltag oft weder die Zeit noch die personellen Ressourcen, um sich intensiv mit Zukunftsthemen auseinanderzusetzen“, erklärt Franziska Beckmann. Hochschulen werden dabei häufig noch als schwer zugänglicher „Elfenbeinturm“ wahrgenommen. Genau hier setzt das InnovationFestival an. „Mit allen Formaten, die wir haben, versuchen wir diese Hemmnisse abzubauen“, unterstreicht die 38-Jährige. Forschung soll konkrete Anwendungsmöglichkeiten für Unternehmen sichtbar machen.

Dabei geht es den Veranstaltenden nicht nur um klassisches Netzwerken, sondern um echte Transfer- und Matchingprozesse zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Gerade der persönliche Kontakt ist entscheidend, um Vertrauen aufzubauen und gemeinsame Projekte anzustoßen. Das InnovationFestival soll Forschende und Unternehmen gezielt zusammenbringen – fachlich, aber auch menschlich. Dass dieses Konzept funktioniert, zeigte bereits die Premiere mit über 700 Besuchende im letzten Jahr. Entstanden sind nicht nur neue Kontakte zwischen Unternehmen und Forschenden, sondern auch innerhalb des Campus selbst. „Die innovativsten Ideen entstehen meistens dann, wenn unterschiedliche Disziplinen zusammenarbeiten“, betont Franziska Beckmann. Gerade die fachübergreifende Zusammenarbeit ist ein entscheidender Motor für Innovationen.
Inhaltlich greift das InnovationFestival Themen auf, die Unternehmen aktuell besonders beschäftigen. Dazu zählen künstliche Intelligenz, digitale Geschäftsmodelle, automatisierte Produktion sowie nachhaltige Material- und Werkstoffforschung. „Von den Anfragen, die uns erreichen, fällt tatsächlich sehr viel in den Bereich KI, aber auch in den Bereich Material“, erklärt Ole Möhlenkamp. Besonders regulatorische Anforderungen auf europäischer Ebene setzen viele Unternehmen unter Druck. Als Beispiel nennt der 44-Jährige Verpackungen, die neue Nachhaltigkeitsvorgaben erfüllen müssen. „Viele Kunden wünschen sich Produkte mit weniger Müll oder nachhaltigere Lösungen.“ Genau daraus entsteht ein hoher Innovationsbedarf in den Unternehmen.
Auch Themen aus Medizin, Pflege und Gesundheit spielen eine wichtige Rolle. Gerade im Pflegebereich sehen die Veranstaltenden großes Potenzial für KI-gestützte und robotische Lösungen. „Die Pflege wird davon profitieren, dass KI und Robotik die Pflegekräfte entlasten“, so Ole Möhlenkamp. Gleichzeitig lässt sich dadurch auch der Komfort für Pflegebedürftige verbessern. Viele Forschungsprojekte aus diesen Bereichen werden inzwischen gezielt in die Praxis überführt. Der zweite Veranstaltungstag widmet sich deshalb dem Schwerpunkt Materialforschung und innovative Werkstoffe. Dabei geht es nicht nur um neue Materialien selbst, sondern auch um Recyclingprozesse, Ressourcenschonung und effizientere Produktionsketten. „Entscheidend ist letztlich die gesamte Kette – also wie Materialien weitergedacht und weiterentwickelt werden“, sagt Franziska Beckmann.
Ein zentrales Anliegen des Orga-Teams bleibt die Niedrigschwelligkeit. „Es gibt wirklich ganz niedrigschwellige Einstiege“, sagt Ole Möhlenkamp. Vom Podcast-Workshop bis hin zu hochspezialisierten Laborführungen ist alles dabei. Besonders gefragt ist beispielsweise die Experimentierhalle der HSBI – eine Art „Fabrik der Zukunft“. Dort kann man erleben, wie Digitalisierung, KI und automatisierte Prozesse die Arbeitswelt verändern. „Das ist etwas zum Anfassen und Erleben, wo das Verständnis überhaupt erst aufgebaut wird“, so Franziska Beckmann. Gleichzeitig soll Forschung bewusst aus ihrer akademischen Komfortzone herausgeholt werden. „Es geht darum, dass Forschung nicht in der Schublade verschwindet, sondern tatsächlich Anwendung findet“, macht sie deutlich. Oft braucht es dabei zunächst jemanden, der zwischen Wissenschaft und Wirtschaft vermittelt. Unterschiedliche Arbeitsweisen und Erwartungen können schnell zu Missverständnissen führen. „Ganz oft sitzen wir dann wirklich auch als Übersetzungsknoten dazwischen“, sagt sie.
Durch die Erfahrungen aus dem Vorjahr haben die Veranstaltenden zudem organisatorisch nachjustiert. Viele Programmpunkte werden diesmal zentraler im Gebäude X stattfinden. Neu im Programm ist eine Podiumsdiskussion zum Thema „New Wirtschaftswunder“, mit der das Festival eröffnet wird. VertreterInnen der Hochschulen, sowie Unternehmende aus der Region diskutieren dann gemeinsam aktuelle wirtschaftliche Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze. „Es sind Personen, die auf verschiedenen Flughöhen die Herausforderungen beleuchten“, erklärt Franziska Beckmann. „Und wir wollen den Fokus diesmal noch stärker auf inhaltlichen Austausch und praxisnahe Diskussionen legen“, ergänzt Ole Möhlenkamp.
Ein besonderes Symbol für den Innovationsgedanken ist erneut die kreative Eisstation des Festivals. Dort kann man ungewöhnliche Sorten und Kombinationen ausprobieren – von Tomate-Basilikum bis Dill-Heidelbeere. „Das soll eine Metapher dafür sein, dass man manchmal auch etwas Neues ausprobieren muss, was auf den ersten Blick nicht zusammenpasst. Diese Story transportieren wir mit einem plakativen Aufsteller – einem großen Eis. Und sie funktioniert prima“, erklärt Franziska Beckmann. Innovation beginnt schließlich oft genau dort, wo Menschen bereit sind, neue Perspektiven zuzulassen.
Anmeldungen: www.innovationfestival.de (Anmeldeschluss: 9.9.26, 12 Uhr)