Kunst gemeinsam entdecken

Zusammen sehen, staunen und gestalten: Einmal im Monat lädt die „Farb-Familie“ in der Kunsthalle Kinder und Erwachsene dazu ein, Kunst nicht nur zu betrachten, sondern miteinander zu entdecken und anschließend selbst kreativ zu werden.

Ob nun Eltern, Großeltern oder Patentanten: Angesprochen sind alle Familien-Konstellationen und für die Kinder gibt es kein Mindestalter. „Sobald ein Kind einen Stift halten kann, ist es gut“, sagt Zuhal Özbey, zuständig für den Bereich Bildung und Vermittlung in der Kunsthalle. Die „Farb-Familie“ beginnt jeweils mit einem kurzen Kennenlernen. Danach startet die Gruppe zu einem Rundgang durch die aktuelle Ausstellung. Dabei zeigt sich oft, dass Kinder Kunst mit anderen Augen sehen. „Erwachsene verlieren bei abstrakten Werken leicht die Geduld. Kinder entdecken sogar in den abstraktesten Bildern Dinosaurier oder Eisbären“, lacht Zuhal Özbey

„Sie zerdenken das alles noch nicht so sehr und sind total vorurteilsfrei.“ Natürlich weiß die Bielefelderin, dass manche Ausstellungen Kinder besonders ansprechen. „Farbiges und Großformatiges lockt sie. Aber prinzipiell kann man Kindern jede Art von Kunst vermitteln, wenn man weiß, mit welchen Methoden.“

Konkret heißt das etwa, Fachbegriffe zu vermeiden und kein Hintergrundwissen vorauszusetzen. „Die Führungen sind erlebnisorientiert. Unsere Kunstvermittler*innen geben Kindern das Werkzeug an die Hand, damit sie selbst etwas erkennen. Richtig oder falsch gibt es nicht“, so die studierte Erziehungswissenschaftlerin, die in der Kunsthalle ihren Traumjob gefunden hat. Gerade weil ihr persönlich Kunst so viel bedeutet, ist es ihr ein Herzensanliegen, Hürden abzubauen, die einem Museumsbesuch im Wege stehen.

Zuhal Özbey

Museumspädagogische Arbeit in der Kunsthalle Bielefeld, Kunsthalle Bielefeld 2024

Viele Kinder erleben den nämlich erstmals in der Schule und sorgen sich, dass sie hier ruhig sein müssen und nichts anfassen dürfen. „Wir möchten den Besuch möglichst niedrigschwellig gestalten, denn Kunst hat viele positive Effekte“, unterstreicht die 30-Jährige. „Kinder lernen dadurch kreative Herangehensweise an Probleme, das Hirn vernetzt sich anders, Sprachgebrauch und Selbstregulation werden gefördert. Hinzu kommt, dass es in digitalen Zeiten etwas Besonderes ist, ein Kunstwerk in aller Ruhe im Original zu betrachten. Das vermittelt sich ganz anders als im Display.“

Eine Erfahrung, die Kinder und Erwachsene früher in separaten Führungen gemacht haben. „Seit sie nicht mehr getrennt durch die Ausstellung gehen, gibt es ein tolles Feedback auf das gemeinsame Erlebnis. Wir wollten bewusst mehr Austausch zwischen den Generationen.“ Deshalb geht es im Anschluss auch zusammen in die Malstube. „Hier passiert der ganze Spaß“, verrät Zuhal Özbey. Thematisch an die aktuelle Ausstellung angelehnt, wird die Gruppe kreativ. Ob mit Farben, Papier, Stiften oder anderen Materialien – hier kann Kreativität ganz unbeschwert ausprobiert werden. „Die Kunstvermittler*innen machen es vor, geben Hilfestellung. Hier darf man einfach mal machen, darf kleckern und laut sein. Das macht auch den Eltern Spaß und sie müssen hinterher nicht mal aufräumen oder saubermachen“, wie die Bielefelderin mit einem Augenzwinkern sagt. Sie mag den „kleinen, schnuckeligen Ort, an dem man einfach was ausprobieren kann“ und schätzt es sehr, dass der Kunsthallen-Architekt die Malstube als Vermittlungsort von Anfang an mitgedacht hat. Damals keine Selbstverständlichkeit, heute der perfekte Rahmen, um generationenübergreifend etwas zu erleben. Und wie klingt so ein erlebnisreicher Familiennachtmittag am besten aus? Natürlich mit Kaffee, Kuchen, Keksen, Saft und Austausch in netter Atmosphäre.

www.kunsthalle-bielefeld.de

Foto: Jürgen Rehrmann