Menschen mit Missionen
Renate Worms möchte Menschen zusammenbringen. Als neue Vorsitzende des Bielefelder Seniorenrates setzt sie auf Beteiligung, Begegnung – und auf Plauderbänke. „Es geht um Austausch und Kommunikation“, sagt sie.
Im Seniorenrat – er vertritt die Interessen der über 60-Jährigen in Bielefeld in Kommunalpolitik und öffentlichem Leben – ist Renate Worms keine Neue. Schon in der letzten Legislaturperiode war die 72-Jährige als Stellvertreterin dabei, baute den Arbeitskreis Digitalisierung auf und knüpfte neue Kontakte. „Wenn ich was mache, dann mache ich das zu 100 Prozent“, sagt die ehemalige Personalleiterin. Den Vorsitz hatte sie zunächst nicht im Blick.

Doch mit vielen neuen Mitgliedern kam Aufbruchstimmung ins Team. Dabei ist ihr wichtig: Vorstandsarbeit ist Teamarbeit. Gemeinsam möchte sie den Seniorenrat bekannter machen, mehr nach außen gehen und mehr BielefelderInnen erreichen. Denn bei der vergangenen Wahl wurde deutlich, dass viele kaum wissen, was der Seniorenrat macht. Dabei können sie sich direkt einbringen: Die monatlichen Sitzungen sind öffentlich, eine Bürgerfragestunde gehört dazu.
Ein Projekt, das der Seniorenrat aktuell vorantreibt, sind die Plauderbänke in den Bielefelder Stadtteilen. Die Idee schlummert schon eine Weile: Bereits im Mai 2025 fiel der Beschluss, gemeinsam mit Bezirksvertretungen, Verwaltung und Quartierssozialarbeit geeignete bestehende Bänke zu finden. Jeweils zwei pro Stadtbezirk sollen gut sichtbar liegen, gekennzeichnet und vor allem mit Leben gefüllt werden. „Eine Plauderbank ist nicht nur eine Bank. Eine Plauderbank wird bespielt“, erklärt Renate Worms. Das Prinzip ist einfach: Zu festen Zeiten sitzt dort jemand, der offen für ein Gespräch ist – über Alltagssorgen, kleine Geschichten, Anregungen oder einfach übers Wetter. Ein festes Thema gibt es nicht, eine Altersgrenze auch nicht. Und auch das Wort Einsamkeit stellt Renate Worms bewusst nicht in den Mittelpunkt. „Für mich geht es um Kommunikation, um es positiv auszudrücken“, sagt sie. Die Plauderbank ist für sie ein Ort der Begegnung. Ein Ort, an dem man ins Gespräch kommt und „mit einem schönen Gefühl wiederkommt“. Jung und Alt gleichermaßen. Deshalb möchte Renate Worms auch den neu gewählten Kinder- und Jugendrat mit ins Boot holen. Denn damit die Idee der Plauderbänke funktioniert, braucht es MitstreiterInnen. Schließlich sollen nicht allein VertreterInnen des Seniorenrates auf den Bänken sitzen. Gesucht werden Partner vor Ort – aus Quartierssozialarbeit, Vereinen und Institutionen oder engagierte BürgerInnen, die verbindlich feste Zeiten übernehmen. „Es soll ein Projekt von Bürgerinnen und Bürgern sein“, betont Renate Worms. Der Seniorenrat stößt an, vernetzt und bringt die Beteiligten zusammen.
In Dornberg gibt es bereits eine Plauderbank. In Sennestadt kümmert sich Renate Worms selbst um die Umsetzung. Sie sitzt dort am Runden Tisch und ist eng mit der Quartierssozialarbeit im Austausch. Ein Ort, den sie im Blick hat, ist der Heimatgarten. „Hier würde auch ich auf der Plauderbank Platz nehmen“, sagt die engagierte Seniorenratsvorsitzende. Bis Mitte 2027 sollen möglichst alle 10 Bielefelder Stadtteile Plauderbänke haben. Ein weiteres Thema, das Renate Worms unter den Nägeln brennt ist das Thema Ehrenamtskarte NRW. Sie wünscht sich in Bielefeld mehr konkrete Vergünstigungen und damit sichtbare Wertschätzung. Denn für sie steht fest: „Ohne Ehrenamt geht es in der Gesellschaft nicht.“
www.seniorenrat-bielefeld.de
Text + Foto: Corinna Bokermann