mit Jan-Erik Weinekötter, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes OWL

Willkommen, Herr Weinekötter, in der Tiefgarage im WELLE HAUS. Wie wichtig ist das Thema „Parken“ für den Handel?

Parken ist ein wichtiger Bestandteil der „Customer Journey“ im stationären Handel. Deshalb geht es auch nicht nur um die Anzahl der Parkplätze, sondern um das komplette „Ankommen“, also die möglichst störungsfreie Fahrt in die Stadt, eine gutes Verkehrsleitsystem, verfügbaren und bezahlbaren Parkraum und natürlich auch um Qualität.

Was sind die großen Herausforderungen für die Innenstadt? Was erwarten Sie von der Politik?

Wir brauchen attraktive Rahmenbedingungen, die den Besuch der Bürgerinnen und Bürger in ihrer Innenstadt leichter und schöner machen. Nur so wird es ansässigen Unternehmen ermöglicht, in der Innenstadt erfolgreich zu sein. Stichworte sind: Erreichbarkeit, Sauberkeit, Sicherheit, Attraktivität und Helligkeit.

Andere Städte in der Region schlafen nicht und konkurrieren um Besucher. Ist Bielefeld noch die Einkaufsstadt Nummer eins in OWL?

Ja, ganz eindeutig! Erst vor Kurzem konnten wir das bei unserer Jahrespressekonferenz auch anhand von Zahlen sehr deutlich belegen.

Gibt es etwas, das Bielefeld als Einkaufsstadt von Paderborn lernen kann?

Ich glaube es gibt immer etwas, was Städte voneinander lernen können. Das bezieht sich in OWL nicht nur auf unsere beiden Oberzentren, sondern auch auf Städte wie beispielsweise Detmold und Bad Salzuflen, die durchaus sehr gute Entwicklungen genommen haben.

Was war Ihr schönstes Bielefelder Einkaufserlebnis in den letzten Monaten?

Das schönste Erlebnis, was mir immer noch sehr präsent in Erinnerung geblieben ist, war ein morgendlicher Textileinkauf im Frühjahr mit einem anschließenden Espresso am im Schein der ersten Frühlingssonne. Wunderbar!

Was ist der größte Fehler, den Einzelhändler heute machen können? Der größte Fehler wäre: Die Lust am Handel zu verlieren. Eigentlich ist Handel doch ein toller Job, da man permanent mit Menschen zu tun hat und diese auch noch sehr oft glücklich machen kann. Aber wir brauchen Rahmenbedingungen, die so sind, dass Handelsunternehmen sich wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können, anstatt sich stundenlang mit bürokratischen Pflichten rumschlagen zu müssen.

Stichwort „Online“ – Fluch oder Segen? Herausforderung, würde ich sagen. Nachdem ich online gefunden wurde, muss ich es als Händler schaffen, meinen Kunden Lust zu machen, mich in meinem Laden zu besuchen, wo ich durch den Faktor Mensch stärker bin als jeder Online-Händler.

Gibt es Problemquartiere in Bielefeld? Was müsste dort aus Ihrer Sicht passieren?

Ich mag das Wort „Problemquartier“ nicht und würde es auch für keine unserer Handelslagen verwenden. Aber natürlich gibt es deutlich sichtbare Verbesserungspotenziale zum Beispiel in der Bahnhofstraße. Hier sind wir ganz klar bei den S-O-S Themen: Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit. Die Stadt Bielefeld hat diese Themen für sich erkannt – jetzt kommt es darauf an, dass positive Veränderungen für die Menschen auch spürbar werden.

4 Prozent Leerstandsquote – wie schneidet Bielefeld damit im nationalen Vergleich ab?

Bielefeld schneidet im nationalen Vergleich sehr gut ab. Ein gewisses Maß an temporären Leerständen ist völlig normal und bietet immer auch die Chance für Veränderung, Innovation und Abwechselung. Wenn gar keine Leerstände da sind, können auch keine neuen Konzepte oder neue Marken in die Stadt kommen. Handel ist Wandel.

Ein paar Schritte von hier wird bald das alte Karstadt-Gebäude abgerissen, um für ein neues Geschäfts- und Wohnquartier zu machen. Was sind Ihre Hoffnungen mit Blick auf dieses neue Projekt?

Wir reden von der entscheidenden Schlüsselimmobilie für die weitere Entwicklung der Bahnhofstraße. Ich bin froh, dass die Stadt einen sehr guten Investor finden konnte. Als Handelsverband waren wir sehr früh in die Planungen eingebunden. Eine solch enge und transparente Zusammenarbeit ist nicht in allen Städten selbstverständlich.

Was ist eigentlich Ihre europäische Lieblingsstadt, wenn es um schöne Einkaufserlebnisse geht?

Da gibt es einige – sowohl innerhalb als auch außerhalb Deutschlands. Aber als England-Fan ist es für mich wahrscheinlich London mit der Mischung aus Historie und sehr bunter Innovation.

Welches Kaufhaus hat Sie zuletzt staunen lassen?

Natürlich ist hier in der Umgebung L&T mit der „Hasewelle“ ein sehr gutes Beispiel zum Staunen aber auch viele andere Adressen hier in unserer Region haben sich zu tollen Erlebniswelten entwickelt, in denen ich auch immer wieder mal ins Staunen und Schwärmen gerate.

Nachdem ich mich schon als England-Fan geoutet habe, wird es niemanden wundern, dass international natürlich das Harrods in London etwas Besonderes für mich ist. Wenn es nachts von 11.500 Lampen illuminiert wird – das lässt mich dann doch sehr staunen.

Welches Bielefelder Geschäft, das es heute nicht mehr gibt, vermissen Sie am meisten?

Ein schlauer Mensch hat mal gesagt, dass unser Gehirn die Erinnerung an die Vergangenheit mit goldener Feder schreibt. Ich schaue lieber nach vorn. Es gibt eine Menge Geschäfte in Bielefeld, die ich sehr vermissen würde. Und das ist für mich immer wieder ein guter Grund, im stationären Handel einkaufen zu gehen und das Erlebnis Innenstadt zu genießen. Ich bin und bleibe ein großer Fan von attraktiven und belebten Innenstädten, die als kulturelle Begegnungsstätten eine sehr wichtige Rolle im Zusammenleben in unserer Stadtgesellschaft haben.

Die Fragen stellte Martin Knabenreich, Geschäftsführer Bielefeld Marketing GmbH